Durch geschicktes Marketing von der Öko-Bohne zum Lifestyle-Produkt

Ist Soja wirklich gesund?Es ist heutzutage gar nicht so einfach, etwas Essbares zu finden, in dem kein Soja enthalten ist. Ob in Mayonnaise, Margarine, Schoggi, Gutzi oder Glace – in vielen Lebensmitteln sind Zutaten und Zusatzstoffe enthalten, die aus Sojabohnen hergestellt werden. Der Skandal: Es handelt sich überwiegend um gentechnisch veränderte Sojabohnen, welche grösstenteils aus den USA, Argentinien und Brasilien eingeführt werden! Der vermeintlich gesunde Soja-Trend löste einen wahren Boom bei Gesundheitsbewussten aus, dies vorallem bei Vegetariern und Veganern gilt Soja als beliebte Eiweissquelle. Einmal mehr ist es ratsam, nicht blind einem Trend zu folgen, sondern sich umfassend darüber zu informieren und das Produkt «Soja» kritisch zu beleuchten!

Studienübersichten können trügen und betreffend Tofu und Sojaprodukte ist dies wieder einmal schmerzlich festzustellen. Hierzu gibt es tausende Studien (natürlich meist von der Tofu-Industrie unterstützt), aber nur wenige, die das Thema Tofu bzw. Soja kritisch und unabhängig betrachten – diese Studien haben es allerdings in sich!

Nervengift in konventionellen Sojaprodukten

Das «Cornucopia Institut» fand heraus, dass Sojabohnen zur Herstellung vieler vegetarischer Burger mit Hexan behandelt wurden. Hexan ist ein chemisches Lösungsmittel, welches als Nebenprodukt bei der Raffination von Benzin entsteht und bei der amerikanischen Umweltbehörde EPA, als starkes Umweltgift gelistet wird. Es kann beim Menschen schwere Nervenschäden und Hautirritationen verursachen. Trotz dieser Tatsache werden die meisten herkömmlichen Sojabohnen in genau dieses Zeug getaucht und anschliessend als besonders gesundes Nahrungsmittel auf den Markt gebracht.

Hexan wird hauptsächlich bei der Herstellung von stark verarbeiteten Sojaprodukten eingesetzt, wie z. B. bei texturiertem Pflanzenprotein (TVP). Hier wird Hexan dazu verwendet, um das Sojaöl vom Sojaprotein zu lösen. TVP ist oft die Basismasse für vegetarische Burger, vegetarisches Gulasch oder vegetarische Hackfleischsauce. Allerdings darf Hexan nicht für Bio-Sojaprodukte verwendet werden. Bei konventionellen, also nicht-biologischen Sojaprodukten jedoch, ist der Einsatz von Hexan gang und gäbe – besonders wenn auf deren Zutatenliste Sojaproteinisolate, Sojaproteinkonzentrate oder TVP aufgeführt sind.

Konventionelles Soja ist Gen-Soja

Sojabohnen werden heutzutage auf riesigen Flächen, vorallem in Südamerika, mit Hilfe von Maschinen und Pestiziden angebaut. So mancher Regenwald musste für die Sojafelder weichen. Der überwältigende Hauptanteil des angebauten Sojas verschwindet in Form von Viehfutter in den riesigen Rinder- und Hühnerställen auf der ganzen Welt.

Konventionelle Sojabohnen werden fast nur noch in der gentechnologischen Variante angebaut. Die langfristigen Folgen beim Verzehr und Anbau von Gen-Soja sind bislang nicht erforscht und sollten überaus kritisch betrachtet werden. Wenn Soja, dann ausschliesslich Sojaprodukte aus biologischem Anbau, da Bio-Landwirte gentechnisch veränderte Pflanzen nicht kultivieren. Auf dem Etikett steht in diesen Fällen meist ein eindeutiger Hinweis wie z. B. «nicht gentechnisch modifiziert», «ohne Gentechnik», «Non-GMO» o. ä. Bedenklich ist, dass die Gen-Food-Kennzeichnung allerdings demnächst komplett wegfallen soll!

Tofu und Sojaprodukte im Alltag

Tofu und Sojaprodukte haben es inzwischen in alle Bereiche der täglichen Ernährung geschafft. Besonders viel Soja ist in den im Trend liegen- den Eiweissbroten enthalten. In diesem Fall ist es empfehlenswert, den allgemeinen Brotkonsum zu reduzieren oder am besten ganz auf Sojabrot zu verzichten und stattdessen auf Dinkelbrot zu setzen. Auch den Konsum von Soja-Eiweiss-Shakes, Sojamilch und Sojajoghurt, gilt es zu Bedenken – hier sollte man möglichst auf sojafreie Alternativen umsteigen. Müslifans aufgepasst: Hier sollte Soja mengenmässig nicht unter den ersten drei Inhaltsstoffen auftauchen!

Wenn überhaupt Soja, dann fermentiert

In vielen asiatischen Ländern gehören Sojaprodukte seit langer Zeit zur täglichen Er- nährung. Bei genauer Betrachtung allerdings, fällt auf, dass die Asiaten Sojaprodukte hauptsächlich in fermentierter Form z. B. Tempeh, Miso oder Sojasaucen zu sich nehmen – und zwar in relativ geringen Mengen. Die Giftstoffe, die von Natur aus in der Hülsenfrucht vorkommen und z. B. die Verdauung oder die Aufnahme wichtiger Vitamine behindern können, werden während des Fermentationsprozesses abgebaut. Daher sind fermentierte Sojaprodukte leichter verdaulich und in sparsamer Dosierung für die Gesundheit unbedenklich. Unfermentierte Sojaprodukte gelten auch in Asien nicht unbedingt als gesund, selbst dann nicht, wenn sie aus Bio-Anbau und Bio-Verarbeitung stammen.

Hat Soja in der Menopause einen Nutzen?

Experten warnen: Soja-Produkte sind wegen ihrer hormonellen Wirkung mit Vorsicht zu geniessen, sei es als Tofu, Milchdrink oder Dessert. Soja ist ein Protein-Lieferant und wird deswegen gerne als Fleischersatz genutzt. Frauen schlucken es ferner als Mittel bei Problemen während den Wechseljahren, denn Soja enthält Phyto-Östrogene der Gruppe Isoflavone und zwar in grossen Mengen. Nahrungsergänzungsmittel aus Soja, laut Herstellern, seien deshalb eine natürliche Alternative zu den in die Kritik geratenen Hormontherapien. Der hohe Gehalt des Pflanzenstoffs, der dem weiblichen Sexual- hormon ähnelt, hat weltweit das Interesse der Wissenschaft geweckt. Das französische Expertengremium Afssa (Agence française de sécurité sanitaire des aliments) hat rund 1500 wissenschaftliche Studien zum Thema analysiert. Fazit: «Soja ist nicht a priori harmlos.» Gelegentlich werden Sojaprodukte aufgrund der enthaltenen Phytoöstrogene gerade für Frauen in den Wechseljahren empfohlen, ganz nach dem Motto: Soja statt Hormontherapie. Doch fand man heraus, dass Phytoöstrogene nicht so vorteilhaft für den Hormonspiegel sind, wie zuerst angenommen wurde – besonders dann nicht, wenn sie in grösseren Mengen regelmässig verzehrt werden. Es ist bisher wissenschaftlich nicht nachgewiesen, dass Soja-Nahrungsergänzungsmittel überhaupt gegen Wechseljahr-Beschwerden wirken. Die Tatsache, dass Asiatinnen mit einem traditionell höheren Konsum von Soja-Produkten weniger unter solchen Problemen leiden als Europäerinnen, kann andere Gründe haben. Essgewohnheiten und Lebensumstände in den beiden Kulturen sind sehr verschieden.

Säuglinge, kleine Kinder, Frauen mit Fällen von Brustkrebs in der Familie sowie Schwangere sollten laut «Afssa» Soja-Produkte und -Nahrungser- gänzungsmittel gar nicht oder nur mit Vorsicht konsumieren. Grundsätzlich sollte man die tägliche Dosis von Isoflavonen auf ein Milligramm pro Kilo Körpergewicht beschränken.

Beeinflusst Soja die Fruchtbarkeit?

Die Befürchtungen lauten: Bei Männern könnten die östrogenähnlichen Stoffe das Testosteron-Level senken, zu Libidoverlust und Potenzproblemen führen und die Bildung von Fettgewebe um die Taille fördern. Frauen mit Kinderwunsch sollten besser auf Sojalebensmittel verzichten, denn ein Ungleichgewicht von Testosteron zu Östrogen, kann bei Frauen zu Störungen der Fruchtbarkeit, der Periode sowie zu einem erhöhten Risiko von Brustkrebs führen. Ferner kann Sojakonsum zu Vergesslichkeit führen und sogar Krebs fördern. In den letzten Jahren hat Soja als Allergieauslöser stark an Bedeutung gewonnen und führt aktuell sogar die Hitliste der Allergen-Potentiale an.

Ist Soja schlecht für die Schilddrüse?

Die in Soja-Produkten enthaltenen Isoflavone stehen auch im Verdacht, die Funktion der Schilddrüse zu hemmen und Symptome wie eine Gewichtszunahme, Müdigkeit und eine Kropfbildung hervorzurufen. Bei einem Zellversuch zeigt sich der hemmende Effekt, welcher sich durch die Zugabe von Jod beheben lässt. Die in Soja enthaltenen Isoflavone können nur problematisch werden, wenn die Schilddrüsenfunktion ohnehin schon beeinträchtigt ist und ein Jodmangel vorliegt. Da Frauen mit zunehmendem Alter ohnehin ein Risiko für eine Schilddrüsenunterfunktion tragen, könne sich dieses durch Isoflavonpräparaten erhöhen. Hier ist daher Vorsicht geboten.

Das gesunde Image von Soja ist angekratzt

Die Beschränkung auf ein einziges Lebensmittel ist niemals gesund – das gilt natürlich auch für Soja! Fest steht: Spricht körperlich nichts dagegen (wie z. B. eine Schilddrüsenerkrankung oder Soja-Allergie), ist gegen einen moderaten Konsum von fermentiertem Soja nichts einzuwenden, aber als Nahrungsergänzungsmittel oder in grossen Mengen kann Soja tatsächlich schaden. Dass der Verzehr von Soja zudem auch aus Umweltsicht schwerwiegender ist, als manchmal betont wird, soll abschliessend zum Denken anregen: Rund 80 % der weltweiten Sojaernte werden als Futtermittel für die Erzeugung von Tierprodukten eingesetzt und nicht für die direkte menschliche Ernährung. Die laufende Rodung von Regenwald zur Erschliessung weiterer Sojaanbauflächen zieht negative Umwelteinwirkungen mit sich.

Fazit: Allein schon diesem Aspekt zuliebe, ist es ratsam den Sojakonsum einzuschränken und damit tun Sie erst noch Ihrer Gesundheit einen grossen Gefallen.

Baselexpress September 2016
g.r. &j.w.

 

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