Umweltbelastung und Hyperaktivität – Ganzheitsmedizinische Therapieansätze

 

Seit mehreren Jahren bestätigen Forschungsteams aus Deutschland, den USA, Japan und England, dass eine der wichtigsten Ursachen für das Entstehen allergischer Erkrankungen wie Asthma, Heuschnupfen, Neurodermitis sowie für die Hyperaktivität bei Kindern die ständig wachsende Umweltbelastung ist. Diese Ansicht wird auch von einigen Ärzten für Allergien geteilt und bei der Therapie dieser Erkrankungen berücksichtigt.

Es hat sich längst gezeigt, sowohl in Tierexperimenten als auch in der Humanmedizin, dass Umweltgifte wie z. B. Holzschutzmittel, Autoabgase, Pestizide, Insektizide, Düngemittel, chemische Rückstände und Schwermetall-Ionen aus dem Trinkwasser und aus Amalgamfüllungen sowie Zusatzstoffe aus der Nahrung wie Konservierungsstoffe, Farbstoffe, Bindemittel, Aromastoffe und Geschmackskorrigenzien, deutliche Abweichungen im zellulären Energiestoffwechsel und in der körperlichen Immunreaktion, bis hin zu einer Blockade hervorrufen können. Daher ist die Identifizierung und die entsprechende Ausleitung dieser Umweltgifte von entscheidender Bedeutung für die Stoffwechsel- und immunologische Entlastung der Betroffenen.

Die Veränderung der körperlichen Abwehrlage spielt einerseits eine wichtige Rolle beim Entstehen allergischer Reaktionen gegenüber normalen Umweltgegenständen (Pollen, Haare, Gräser, Getreide, Staub, Federn, Nahrungsmittel) und andererseits führt sie zwingend logisch zu einer erhöhten Infektanfälligkeit, welche praktisch bei allen Patienten mit Allergien festzustellen ist.

Die chronischen Infekte der Haut, Lunge und des Darms führen wiederum zu Dauerbeschwerden wie Juckreiz, Asthma- und Niesanfällen, Darmkoliken, Hautbeschwerden oder Schlafstörungen, die von den typischen allergischen Reaktionen kaum mehr zu unterscheiden sind.

Darüber hinaus sind besonders wichtige Verdauungs- und Absorptionsvorgänge im Darm bei Allergikern und Hyperkinetikern durch die krankmachende Fäulnisflora (Bakterien und Pilze) wesentlich gestört. Deshalb ist die Identifizierung und Sanierung dieser mikrobiellen Herde auf der Haut, den Schleimhäuten und besonders im Darm für eine erfolgreiche Therapie von großer Bedeutung.

Ursachenforschung steht am Anfang

Im Mittelpunkt des Diagnose- und Therapieprogrammes steht auch die Problematik der Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die heutzutage für viele überraschende Symptome wie Kopfschmerzen, Migräne, Hautausschläge aller Art und Darmprobleme bis hin zu Atemnot und hyperaktiven Ausbrüchen bei Kindern verantwortlich sein können. Man unterscheidet hier typische allergische Reaktionen gegen Nahrungsmittel, die mit einer Beteiligung des Immunsystems stattfinden und falsche allergische Reaktionen, die meistens auf toxisch-irritative Intoleranzen gegen Zusatzstoffe in der Nahrung (Natriumglutamat, biogene Amine aus Wurst, Bier, Käse, Schokolade, Rotwein sowie Farbstoffe, Konservierungsstoffe, Verdickungsmittel, Phosphate) zurückzuführen sind.

Um die verursachenden Faktoren zu klären, ist meistens eine regelrechte medizinische Detektivarbeit notwendig, die anhand modernster Labortechniken und spezieller Diätverfahren (wie z. B. Suchdiät, Auslaß- oder Rotationsdiät) durchgeführt werden.

Auch die Rolle sogenannter psychogener Faktoren wie Konfliktsituationen, Angstzustände und seelischer Streß wird bei der Untersuchung dieser Erkrankungen berücksichtigt, um die wichtigsten Maßnahmen im Rahmen einer qualifizierten psychologischen Betreuung wie Verhaltenstherapie, Autogenes Training, Yoga, Biofeed-Back durchführen zu können.

„Terror“ oder Krankheit ?

Bei Hyperkinetikern bringen allerdings die erwähnten psychologischen Maßnahmen wenig hinsichtlich der Beeinflussung der Symptomatik, denn hier ist die biologische Grundlage schon deutlich verändert. Eigene Forschungsergebnisse aus den Jahren 1989/90 zeigen, dass die Konzentration wichtiger Neurohormone, Katecholamine genannt, deutliche Abweichungen im Blut zeigt, insbesondere durch die chronisch erhöhten Werte des Dopamins und des Adrenalins. Anhand solcher Untersuchungen kann man heute einen wahren Hyperkinetiker mit erhöhten Katecholaminwerten von einem falschen Hyperkinetiker, dessen gezielte „Terroraktionen“ auf eine falsche Erziehung zurückzuführen sind und der im Blut normale Katecholaminwerte aufweist, unterscheiden.

Die unkontrollierte Freisetzung dieser Neurohormone ist überwiegend auf eine durch Umweltgifte verursachte, neurovegetative Dysfunktion zurückzuführen. Diese wird in der Regel aufgehoben bei längerer Vermeidung der verursachenden Faktoren (süße Getränke wie Cola, Fanta, Bonbons mit Farbstoffen, Schokolade, Kekse, Auszugsmehlprodukte aller Art, Zusatzstoffe aus der Nahrung wie Nitrit-, Phosphat- und Pökelsalz, Salicylate, Benzoesäure, Glutamat oder Nahrungsmittel wie Eier, Milch, Nüsse, Ketchup, Fruchtsäfte und Gewürze).

Verschiedene Genussmittel wie Nikotin, Alkohol, Medikamentenmißbrauch während der Schwangerschaft oder Sauerstoffmangel während der Geburt üben genauso wie die Belastung durch Schwermetalle wie Quecksilber, Cadmium, Blei, Zinn, Kupfer und Aluminium (Amalgamfüllungen, Wasserleitungen, Konserven, Kochgeschirr) eine destabilisierende Wirkung auf das zentrale Nervensystem aus, verbunden mit hyperkinetischen Symptomen. Diese gehen einher mit Unruhe, Aggressivität, Ängsten, Schlaflosigkeit, Ermüdung, Depressionen und unkontrollierten Gefühlsausbrüchen. Paradoxe Reaktionen gegenüber Beruhigungsmitteln sind ebenfalls bekannt, genauso wie die Symptombesserung nach Aufputschmitteln (Amphetamine/Ritalin).

Eine Therapie in mehreren Schritten bringt Erfolg

Aufgrund dieser Erkenntnisse sieht eine kausale Therapie bei hyperaktiven Kindern keineswegs den Einsatz von Aufputschmitteln vor, sondern vielmehr:

  • Die Karenz der identifizierten Provokationsfaktoren nach entsprechenden allergologischen und toxikologischen Untersuchungen

  • Sanierung der Darmflora mit entsprechenden antimikrobiellen Präparaten und langfristige Verordnung von physiologischen Darmbakterien in Kapselform und Milchsäurepräparaten
  • Suchdiät mit langsamem Anstieg in eine Rotations- bzw. Antipilzdiät unter Berücksichtigung allergischer und pseudoallergischer Reaktionen. Hier sollen Zucker, Süßigkeiten, Mehlprodukte und halbfertige Nahrung mit Zusatzstoffen ausgespart bleiben. Das gleiche gilt für Nahrungsmittel, die reich an biogenen Aminen (Wurst, Käse, tiefgefrorener Fisch, Schokolade, Ketchup) mit reizender Wirkung auf das Nervensystem sind.
  • Ausleitung von Schwermetallen wie Quecksilber, Kupfer, Cadmium und Blei mit Hilfe sogenannter Chelatstoffe und unter Beigabe von Antioxidantien wie Pro-Vitamin A und Vitamin E, Zink oder Selen
  • Bei Stoffwechselbelastung durch Umweltgifte wie Holzschutzmittel, Pestizide, Formaldehyd und ähnlichem eine unterstützende Therapie mit Sauerstoffinfusionen, ungesättigten Fettsäuren, Vitamin B6 und Leberschutzstoffen.
  • Familiäres Umfeld beobachten und entsprechende Tipps für die Eltern im Sinne der konsequenten Durchführung der oben genannten Maßnahmen auch in der Nachbehandlungsphase anbieten.

 

Nach unseren Erfahrungen sind die Erfolge der Therapieansätze schon nach wenigen Wochen spürbar, sowohl zur großen Erleichterung der mitleidenden Eltern als auch zur Zufriedenheit der Therapeuten.