Schön bunt – doch Nagellack kann schädlich sein!Egal ob es sich um ein teures Markenprodukt handelt oder eher um ein trendiges und kostengünstiges – ein Blick auf das Etikett lohnt sich auf jeden Fall, denn viele von den Inhaltsstoffen sind bedenklich und können sogar gesundheitsschädlich sein. Wer dennoch nicht auf modische, gepflegte und lackierte Nägel verzichten möchte, sollte auf einen Öko-Lack zurückgreifen.

In unserem Kulturkreis sind lackierte Nägel seit eh und je sehr beliebt und gehören zum guten Ton. Sie geben dem individuellen modischen Look den letzten Schliff Doch Hand aufs Herz: Wer hat sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, was so alles in dieser bunten Flüssigkeit enthalten ist? Denn genau diese Flüssigkeit pinseln wir mit Wonne auf unsere Nägel und zwar regelmässig.

Die 5-Free Inhaltstoffe

„5-Free“ – dieser Ausdruck bezeichnet Nagellacke, die ohne die fünf bedenklichen Inhaltstoffe Formaldehyd/Formaldehyharz, Toluol, Phtalate (DBP), Campher und Acrylate auskommen:

Formaldehyd/-harze in Nagellack

Dass in Nagellack enthaltene Formaldehyd ist ein bekanntes Carcinogen, welches sich im Wasser und in der Luft auflöst und den starken Nagellackgeruch verursacht. Die amerikanische EPA stuft Formaldehyd als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Wenn man die Dämpfe dauerhaft intensiv einatmet, soll Formaldehyd sogar Krebs im Nasen- und Rachenraum auslösen können.

Eine Allergie gegen Formaldehyd hat Reizungen der Haut, der Atemwege oder Augen zur Folge. Menschen mit chronischen Erkrankungen sind besonders anfällig für eine Vergiftung von Formaldehyd. Nagellack-Unverträglichkeiten zeigen sich übrigens zu 80 % im Gesicht oder am Hals und nur sehr selten an den Händen selbst. Formaldehyd soll in Nagellacken vor allem für sorgen, dass der Lack auf den Nägeln nicht splittert und die Nägel gehärtet werden. Während Nagellacke eher Formaldehydabspalter in geringer Konzentration enthalten, können Zusatzprodukte wie Nagelhärter wesentlich mehr Formaldehyd enthalten.

Formaldehyd gehört zu den Inhaltstoffen, deren Konzentration in Kosmetika die EU-Kosmetikverordnung genaue Höchstgrenzen festlegt. 0,2 % sind es maximal und 0,05 % muss sogar jedes Produkt mit dem Hinweis gekennzeichnet sein „enthält Formaldehyd“. In Nagelhärtern liegt die erlaubte Höchstgrenze bei 5 %!

Formaldehydharze gehören zu den ältesten Kunststoffprodukten. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Novolake (aus PF-Harz) als Ersatz für Schellack eingeführt. Seit 1910 gibt es die als Bakelite bekannten Phenolharz-Formmassen. Die industrielle Herstellung von Harn-Stoff-Formaldehyharzen begann 1926.

Toluol

Der Inhaltstoff Toluol gilt als fruchtbarkeitsschädigend und kann Nerven-, Nieren- und möglicherweise auch Leberschäden verursachen. Vor allem Schwangere sollten Toluol unbedingt vermeiden, da es durch den Stoff zu einer Verzögerung in der Entwicklung des Embryos kommen könnte. Nach Kontakt mit Tuluol kann es zu Hautirritationen kommen. In der EU darf Toluol nicht mehr verwendet werden. Bei Nagellacken, die ausserhalb der EU gekauft wurden, sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass dieser Inhaltsstoff nicht enthalten ist.

Phtalate (DBP)

Phtalate sind Weichmacher, die das Absplittern des Lacks verhindern. Weichmacher sind in der EU zwar verboten, allerdings ist es erlaubt, sie während der Produktion einzusetzen, wenn sie aus dem Endprodukt wieder entfernt werden Die übrig gebliebenen Reste können zwar in sogenannten „gesundheitlich unbedenklichen Mengen“ im Produkt vorhanden sein, jedoch müssen sie nicht mehr auf der Verpackung angegeben werden. Einige Nagellackmarken ersetzen Phlatate durch Triphenylophosphat, doch dies ist nicht besser für die Gesundheit, tatsächlich bringt es die ähnlichen Gesundheitsrisiken mit sich, wie etwa Hormon- und Fortpflanzungsstörungen.

Campher (Kampfer)

Campher ist ein Weichmacher, der den Lack elastisch macht. Campher kann hoch dossiert zu Übelkeit, Angst und Unruhe führen. In einigen Nagellacken ist die Dosierung zwar gering, doch es ist in jedem Fall besser gute Öko-Lacke zu verwenden, da diese ganz ohne diesen Weichmacher auskommen.

Acrylate

In Nagellack ist dieser Stoff häufig zu finden, daher auch der Begriff Acrylnägel. Doch nicht nur in den Acrylnägeln aus dem Nagelstudio sind Acrylate enthalten, sondern auch in den meisten handelsblichen Nagellacken. Mithilfe des Stoffes kann sich die Farbe besser mit dem enthaltenden Wasser verbinden und der Lack trocknet schneller. Werden Acrylate in die Raumluft freigesetzt, können sie Haut, Auen und Atmungsorgane reizen. Die Folge sind Bindehautentzündungen, Schnupfen, Niesen und selben auch Asthmaanfälle. Bei unmittelbarem Hautkontakt können Hautentzündungen und Allergien auftreten, auch stehen Acrlyate in Verdacht, krebserregend zu sein.

Fazit

In sehr hohen Konzentrationen sind diese Wirkstoffe problematisch und wie immer gilt die Faustregel: Alles eine Frage des Dosis! Trotzdem lässt sich nicht ausschliessen, dass Menschen mit empfindlicher Haut mit Reizungen reagieren können.

Glücklicherweise gibt es Hersteller, die auf die gefährlichen Inhaltstoffe im Nagellack reagiert haben und deshalb hervorragende natürliche Alternativen anbieten. Diese Öko-Lacke bringen nicht die gleichen Risiken wie Allergien, Krebs und hormonelle Störungen mit sich.

Übrigens: Nagellackreste gelten als Schadstoffe und dürfen streng genommen nicht mit dem normalen Müll entsorgt werden.

Alleine dieser Umstand sollte zum Nachdenken anregen, denn was offiziell als Sondermüll gilt, sollte man sich nicht auf die Nägel pinseln!