Sieben von acht Reviews kommen zu dem Schluss, dass gesättigte Fette KEINEN EINFLUSS auf die Gesamtsterblichkeit haben!


Das Schöne an der Demokratie ist ja, dass jeder seine Meinung sagen darf. Das ist gut und so soll es auch sein. Gefährlich wird es dann, wenn Menschen ihre Autorität und Stellung ausnutzen um verunsicherte Konsumenten mit Hetzreden und einfacher Polemik versuchen hinters Licht zu führen. Ein als wissenschaftlich getarnter Vortrag, weil in einem Hörsaal der Universität Freiburg abgehalten, getragen durch die akademischen Titel der Vortragenden, schlägt derartige Wellen, dass sogar große Medien wie Die Presse, ORF, The Business Insider und sogar CNN darüber berichten müssen.

 

Vortrag auf Youtube (Aufgerufen 25.08.2018)  

Die Vortragende, Frau Prof. Michels, nimmt sich auf jeden Fall bei Ihren Aussagen kein Blatt vor den Mund. Sie sagt in Ihrem Vortrag wörtlich: „Kokosöl ist das schlimmste Lebensmittel, das man überhaupt essen kann“ und „Kokosöl ist das reine Gift“. Im Wesentlichen begründet sie diese Behauptung damit, dass Kokosöl hauptsächlich aus gesättigten Fettsäuren besteht und sie sagt […] alle gesättigten Fette sind fest und gehen direkt in Ihre Koronararterien […] Leider verabsäumt Frau Prof. Michels irgendeine ihrer Behauptungen mit Studien zu belegen. Hätte sie sich nämlich mit der tatsächlichen Datenlage beschäftigt, dann wäre ihr aufgefallen, dass einige ihrer Aussagen wissenschaftlich nicht haltbar sind.

 

Datenlage zu KokosölKokosöl für (Denk-) Sportler Egal, ob am Schreibtisch oder auf dem Laufband: Kokosöl erweist sich auch als wahre Energiequelle für Kopf und Körper. Die mittelkettigen Fettsäuren des Kokosöls werden direkt über die Blutbahn aufgenommen und in Energie (Ketone) umgewandelt. Auch das Gehirn nutzt diese alternative Energiequelle - ein wahrer Booster für (Denk-) Sportler sozusagen. Wichtig! Damit Ihr Körper die Ketone als Energiequelle optimal nutzen kann, sollten Sie unbedingt die Zufuhr von Kohlenhydraten einschränken. Des weiteren sollten Sie darauf achten, ein hochwertiges und industriell unbehandeltes natives Kokosöl (am besten im Biomarkt) zu kaufen, damit das Produkt keine Transfettsäuren enthält. Anwendung Sie können das Kokosöl ohne Bedenken zum Braten und Backen verwenden. Der Vorgang des Erhitzens bildet keine freien Radikalen. Empfohlen wird allerdings eine pure Einnahme des Öles von ca. 3-4 Esslöffeln pro Tag, insbesondere im Krankheitsfall. Alternativ können Sie das Öl sogar äußerlich anwenden, zum Beispiel zur Hautpflege, bei Sonnenbrand oder zur Behandlung von Wunden. Unsere Empfehlung:


2018, Randomisierte Interventionsstudie


Khaw, Kay-Tee, et al. „Randomised trial of coconut oil, olive oil or butter on blood lipids and other cardiovascular risk factors in healthy men and women.“ BMJ open 8.3 (2018): e020167.

Die Teilnehmer waren insgesamt 94 gesunde Frauen und Männer zwischen 50 – 75 Jahren. Sie wurden über ein Zufallsprinzip einer von drei Gruppen zugeordnet. Jede Gruppe sollte eines der folgenden Fette über die 4 Wochen konsumieren. Täglich sollten 50 g von entweder nativen Olivenöl, Butter oder nativem Kokosöl konsumiert werden.

Was wurde untersucht?
Der Hauptfokus lag auf Veränderungen von LDL-Cholesterin. Weiters wurden erhoben: Gesamtcholesterin, HDL-Cholesterin, Triglycerid/ HDL-C Ratio, nicht-HDL-C, Gewicht, BMI, Bauchumfang, Körperzusammensetzung, Blutdruck, Nüchternblutzucker und C-reaktives Protein.

Schlussfolgerung:
Kokosöl hatte keinen Einfluss auf LDL-C, so wie auch das Olivenöl. Kokosöl erhöhte signifikant das HDL-Cholesterin, und zwar mehr als Olivenöl. Es gab auch keinen signifikanten Unterschied zwischen Kokosöl und Olivenöl was TC/ HDL-C Ratio und nicht-HDL-C betrifft.
Kokosöl senkt signifikant das C-reaktive Protein, ein wichtiger Entzündungsmarker.


2016, Randomisierte Studie


Vijayakumar, Maniyal, et al. „A randomized study of coconut oil versus sunflower oil on cardiovascular risk factors in patients with stable coronary heart disease.“ Indian Heart Journal 68.4 (2016): 498-506.

Schlussfolgerung:
Kokosnussöl, obwohl es reich an gesättigten Fettsäuren im Vergleich zu Sonnenblumenöl ist, wenn es als Speiseöl über einen Zeitraum von 2 Jahren verwendet wurde, änderte die lipidbezogenen kardiovaskulären Risikofaktoren und -ereignisse nicht.

 

Datenlage zu gesättigtem Fett


Der zweite übergeordnete Punkt den Frau Prof. Michels anspricht ist, dass ja generell gesättigte Fette schlecht wären. Auch in diesem Punkt scheint die Vortragende nicht am neuesten Stand zu sein.
Der ehemalige Präsident der World Heart Federation Dr. Yusuf Salim erklärte in seiner Eröffnungsrede der größten Kardiologie-Konferenz der Welt in Davos im Frühjahr 2017, dass wir jahrzehntelang getäuscht wurden und die derzeit geltenden Ernährungsempfehlungen, vor allem was gesättigtes Fett und Kohlenhydrate angeht, falsch sind.
Seine Reden kann man hier auf YouTube ansehen.

In dasselbe Horn bläst übrigens auch Sylvan Lee Weinberg, der ehemalige Präsident des American College of Cardiology[2]:
The low-fat, high-carbohydrate diet … may well have played an unintended role in the current epidemics of obesity, lipid abnormalities, type 2 diabetes, and metabolic syndromes. This diet can no longer be defended by appeal to the authority of prestigious medical organizations.
Übersetzung: Die fettarme, kohlenhydratreiche Diät … kann in der aktuellen Epidemie von Fettleibigkeit, Lipid-Anomalien, Typ-2-Diabetes und metabolischen Syndrom eine unbeabsichtigte Rolle gespielt haben. Diese Diät kann nicht länger, unter Berufung auf die Autorität renommierter medizinischer Organisationen, verteidigt werden.

Zusammenfassung der Ergebnisse aus Randomisierten Kontrollierten Studien (RCT) zu gesättigtem Fett


Es gibt acht Reviews, die sich die Evidenz aus den bisher durchgeführten RCTs angesehen haben. Der Fokus der RCTs waren sogenannte „Harte Endpunkte“ wie etwa Sterblichkeit (Tod). Sieben von diesen acht Reviews kommen zu dem Schluss, dass gesättigte Fette KEINEN EINFLUSS auf die Gesamtsterblichkeit noch auf die Sterblichkeit durch kardiovaskuläre Erkrankungen haben.

Fazit
Es ist traurig und erschreckend, dass es in der heutigen Zeit immer noch ausreicht, einfach einen Doktortitel zu haben um haltlose Behauptungen aufzustellen, die dann auch noch ungeprüft geglaubt werden. Noch viel erschreckender, als die Tatsache, dass man sich als Akademikerin zu einem solch populistischen Vortrag hinreißen lässt, ist allerdings, die Reaktion der Medien. Der Vortrag von Frau Prof. Michels wurde gepusht und aufgeblasen, als ob es sich um eine unglaubliche Entdeckung handeln würde. Sie hat Meinungen als Fakten präsentiert und ihre Autorität als Ärztin vorsätzlich ausgenützt – das finde ich das aller traurigste.

Natives Kokosöl ist weder der Heilige Gral, noch ist es pures Gift. Es ist ein wunderbares Naturprodukt, welches ein Teil jeder gesunden Ernährung sein darf.

 

 

Reviews der kontrollierten randomisierten Studien:


 

Non-systematic reviews:


  • Saturated Fat, Carbohydrate, and Cardiovascular Disease” (Review of clinical trials), American Journal of Clinical Nutrition (2010), Siri-Tarino PW, Children’s Hospital, Oakland Research Institute Oakland, Sun Q, MD, Departments of Nutrition and Epidemiology, Harvard School of Public Health, Hu FB, MD, Departments of Nutrition and Epidemiology, Harvard School of Public Health, et al.