Lebenshilfe

Die Sache mit dem Spiegel

 

Immer mehr Menschen – vor allem auch Physiker – kommen heutzutage immer mehr zu der Erkenntnis, dass es gar keine objektive Welt gibt. Jeder sieht die Welt so, wie er sie sehen will.

Die Sache mit dem Spiegel - SeminareWie wir also die Außenwelt wahrnehmen, ist im Grunde nur ein Spiegel der eigenen Innenwelt – ein Spiegelbild des eigenen Bewusstseins. Anders ausgedrückt: Ihre Innenwelt und Ihre Außenwelt sind eins. Es gibt keine Trennung zwischen innen und außen – alles ist eins!

Was Sie also an einem anderen Menschen freut oder stört oder gar wütend macht, das hat einzig mit Ihnen selbst zu tun. Denn Sie sehen im Verhalten des anderen immer sich selbst. Das sieht man schon daran, dass es wohl keine zwei Menschen gibt, die einen anderen Menschen auf gleiche Weise betrachten. Jeder hat seine eigene Betrachtungsweise und diese hängt einzig vom Bewusstsein des Betrachters ab. Wenn also das, was ein anderer sagt, tut oder schreibt, Ärger oder Wut auslöst, wäre es klug, bei sich selbst nachzuschauen. Denn das Problem liegt im Auge des Betrachters und nicht bei diesem anderen Menschen.

Folgendes Beispiel zeigt diesen Mechanismus sehr schön auf: In einer Ausgabe unserer TRIUNITY-mail hatten wir vor Monaten in einem Beitrag verschiedene Verhaltensweisen aufgezeigt, die unser Leben enorm vereinfachen. Daraufhin bekamen wir unter anderen auch zwei Mails mit folgendem Inhalt:

 

Mail 1:”Herzlichen Dank für diese Ideen, sie sind super einfach, sehr wirkungsvoll und voller Weisheit!”

Mail 2:”Diese Vorschläge können Sie in den Müll werfen – viel zu kompliziert und nicht umsetzbar!”

 

Ist das nicht großartig? Der eine sieht dort Müll, wo der andere Weisheit sieht.

Was ist es nun – ist es Müll oder ist es Weisheit? Wie ich bereits sagte: Es liegt im Auge des Betrachters!

So werden Sie auch diesen Text nicht so lesen, wie ich ihn geschrieben habe, sondern Sie werden das herauslesen, was Ihrem Bewusstsein entspricht. Diese Sätze, die Menschen – ja wie Sie die gesamte Welt sehen – alles ist nur ein Spiegelbild Ihres eigenen Bewusstseins. Wie innen, so außen – wie außen, so innen. So lautet das Gesetz der Entsprechung. Wenn wir dieses Beispiel verallgemeinern, dann bedeutet das folgendes:

 

Wir sehen in der Welt da draußen Opfer, weil wir uns in uns drinnen selbst als Opfer fühlen!
Wir sehen in der Welt da draußen Unvollkommenheit, weil wir uns in uns drinnen unvollkommen fühlen!
Wir sehen in der Welt da draußen Geschäftemacherei, weil wir in uns drinnen ein geistiges Problem mit Geld oder unserem Selbstwert haben!
Wir sehen in der Welt da draußen Mangel an diesem oder jenem, weil wir in uns drinnen Mangel haben!
Wir sehen in der Welt da draußen Schuldige, weil wir in uns drinnen voller Schuldgefühle sind!
Wir sehen in der Welt da draußen zu Verurteilendes, weil wir in uns drinnen uns selbst nicht mögen und verurteilen!

 

Wir sehen also immer das, was unserem Inneren, also unserem Bewusstsein entspricht. Das ist die Relativitätstheorie im menschlichen Sein. Alles ist relativ und ist abhängig vom Auge des Betrachters.
Wir können in der Welt da draußen erst dann den Überfluss sehen, wenn wir Überfluss in unserem Inneren tragen.
Wir können in der Welt da draußen erst dann Liebe sehen, wenn wir Liebe in unserem Inneren tragen.
Wir können in der Welt da draußen erst dann die Wirklichkeit sehen, wenn in unserem Inneren alle Urteile(Vorurteile) abgebaut und wir somit in der Wirklichkeit angekommen sind.

Die Betrachtung der Außenwelt ändert sich schlagartig, wenn sich die Innenwelt verändert. Und wer entscheidet darüber, ob und wie sich die Innenwelt verändern könnte? Sie allein – jeder Einzelne für sich! Stattdessen scheint es ein beliebtes Gesellschaftsspiel zu sein, immer vor den Türen der anderen zu wischen, statt vor der eigenen. Kein Wunder, dass daraus überall auf der Welt nur Konflikte, ja sogar Hass und Kriege entstehen. Zugegeben: Es ist natürlich viel einfacher, immer nur die anderen zu kritisieren und ihnen aufs Auge zu drücken, was sie angeblich alles falsch machen, anstatt die eigenen Probleme zu lösen und das eigene Leben in Ordnung zu bringen. Dabei wussten schon unsere Großmütter, wie alle Konfliktherde dieser Welt mit einem Schlag gelöst werden könnten. Wie sagten sie doch: “Wenn jeder vor seiner eigenen Türe wischt, ist überall gewischt!” Auch Jesus mahnte, sich nicht moralisch über andere zu erheben, als er sagte: “Wer frei von Sünde ist, der werfe den ersten Stein!” Und in der Bergpredigt ergänzt er: “Richtet nicht!”

Das Wischen vor der eigenen Türe wäre im Grunde relativ einfach: Bedingungslose Liebe zu sich selbst…und dann zu allen anderen Wesen! Wenn sich alle Menschen selbst lieben würden, dann wäre überall gewischt. Dann wären Neid, Hass, Wut, Verbitterung und Ärger mit einem Schlag aufgelöst … wie gesagt, dann wäre überall gewischt und Liebe würde im Innen wie im Außen entstehen. So einfach ist das und doch so schwierig.

Es geht also darum, vor der eigenen Türe zu wischen, anstatt immer nur an anderen rumzumäkeln. Und die eigene Türe, das ist unser Denken, unser Bewusstsein. Das ist der Same für die sichtbaren Früchte, von denen auch Jesus spricht. So sieht der eine Müll und ein anderer Weisheit – alles ist Spiegel des eigenen Bewusstseins. Nicht mehr und nicht weniger.

Letztlich ist alles, was wir im Außen wahrnehmen, eine einzige Illusion. Die Realität ist in uns drinnen. Der Spiegel ist nicht die Wirklichkeit – wir sind die Wirklichkeit! Und wenn diese Wirklichkeit von wahrer bedingungsloser Liebe erfüllt ist, dann sieht man auch Hass, Neid oder Kritik im Außen mit ganz anderen Augen: Mit den Augen der Liebe! Und die Augen der Liebe sagen: Wer andere nicht bedingungslos lieben kann, der kann in Wahrheit sich selbst nicht lieben.

Und diese innere Verbitterung wird lediglich auf das Außen projiziert: Der Andere ist in Wahrheit er selbst! So jedenfalls lautet das Spiegelgesetz. Aus der Sicht dieses universellen Gesetzes können Sie somit nichts Besseres tun, als allen Menschen möglichst viel Liebe entgegenzubringen, die voller Wut und Verbitterung sind – anstatt mit gleicher Münze zurückzuzahlen. Das jedenfalls würde ein Meister tun, ein Meister des Lebens!

Im Grunde sind doch alle Menschen auf der Suche nach Liebe und Anerkennung. Während die einen das über ein Lächeln und echte Herzlichkeit demonstrieren, macht ein anderer mit Unterstellungen und Beleidigungen auf sich aufmerksam. Jeder entscheidet das selbst. Aber jeder entscheidet dadurch auch, als wer oder was er lebt – wer oder was er in Wirklichkeit ist – LIEBE oder HASS, FREUDE oder BITTERKEIT. So kann man leicht erkennen, welchen Geistes Kind die jeweiligen Menschen sind, die uns auf die eine oder andere Weise begegnen. Enden möchte ich zu diesem Thema mit einem kurzen Gedicht von Erich Fried:

Was ist es

“Es ist Unsinn, sagt die Vernunft – es ist, was es ist, sagt die Liebe.
Es ist ein Unglück, sagt die Berechnung.
Es ist nichts als Schmerz, sagt die Angst.
Es ist aussichtslos, sagt die Einsicht.
Es ist, was es ist, sagt die Liebe.
Es ist lächerlich, sagt der Stolz.
Es ist leichtsinnig, sagt die Vorsicht.
Es ist unmöglich, sagt die Erfahrung.
Es ist, was es ist, sagt die Liebe.”

In diesem Sinne – viel Liebe für Sie alle!

 

Herzlichst

Dieter E. Weiner