Lebenshilfe

Das zentrale Problem der Menschheit

 

Das zentrale Problem der Menschheit - Triunity Lebenshilfe SeminareDer Mensch trägt ein zentrales Problem mit sich herum. Dabei handelt es sich um sein ständiges Urteilen über Gut und Böse. Wir urteilen über uns selbst, über Situationen und natürlich auch ständig über andere Menschen. Das Problem daran ist folgendes: Was für den einen gut ist, ist möglicherweise für einen anderen schlecht; was der eine als gut empfindet, sieht ein anderer als schlecht. Und schon ist der Konflikt vorprogrammiert.

 

Das Unterteilen in Gut und Böse hat nichts mit einem Naturgesetz zu tun. Die Natur teilt nicht, sie verurteilt nicht, sie richtet nicht. Es sind einzig unsere engen Vorstellungen von Moral – die noch dazu von Land zu Land unterschiedlich sind und sich im Laufe der Zeit ständig ändern – die uns dazu verleiten, in Gut und Böse aufzuteilen.

 

Aus universeller Sicht ergibt sich dabei folgende Problematik: Jedes Urteilen produziert Trennung. Und somit auch Konflikte im Menschen selbst und Konflikte zwischen den Menschen! Damit ist natürlich auch die Basis für kriegerische Auseinandersetzungen gelegt. Seit dem letzten Weltkrieg zählen wir auf diesem Planeten annähernd 200 ausgebrochene Konflikte und Kriege. Und jede Konfliktpartei behauptet von sich, das Gute zu verkörpern und gegen das Böse in den Krieg zu ziehen.

 

Schon in der Bibel wird der Zustand, in welchem nicht in Gut und Böse unterschieden wird, als das Paradies bezeichnet (Adam und Eva). Das Paradies ist also kein geografischer Ort oder etwas, das erst in irgendeiner fernen Zukunft erreicht werden kann. Nein, das Paradies ist offenbar schlicht und einfach ein ganz bestimmter Bewusstseinszustand. Ein Zustand des Nichturteilens, des Nichteinteilens in Gut und Böse. Jeder Mensch könnte sich somit sofort ins Paradies katapultieren, wenn er aufhören würde, die Welt – und natürlich auch sich selbst – in Gut und Böse aufzuteilen.

 

Adam und Eva wurden nicht aus dem Paradies vertrieben, weil es die Schöpfung so vorsah. Nein, sie haben ja freiwillig vom Baum der Erkenntnis (von Gut und Böse) gegessen. Sie haben sich also selbst aus dem Paradies hinauskatapultiert. Und dies ist das einzig Tröstliche an dieser Geschichte. Wer sich selbst aus dem Paradies – durch sein ewiges Urteilen – hinausbefördert, kann auch selbst – durch sein Nichturteilen – wieder dahin zurückkehren.

 

Bitte halten Sie sich folgendes vor Augen: Von genau dem Moment an, da wir mit dem Urteilen in Gut und Böse und damit auch mit dem Verurteilen begonnen haben, haben automatisch auch all unsere Probleme begonnen.

 

Sie, sehr verehrte Leserin, verehrter Leser, hätten gar keine Schwierigkeiten oder Probleme, wenn Sie bestimmte Situationen nicht als problematisch ansehen würden, wenn Sie also nicht urteilen würden. Es gäbe keine schwierigen Aufgaben, sondern nur Aufgaben; es gäbe keine schlechten Menschen, sondern nur Menschen; es gäbe keine schlechten Erfahrungen, sondern nur Erfahrungen, die uns als Menschen wachsen und reifen lassen. Bitte überlegen Sie sich das einmal ernsthaft und in aller Ruhe.

 

Wie schon gesagt, dieses Aufteilen in Gut und Böse ist eine rein menschliche Eigenschaft. Die Natur tut das nicht. Stellen Sie sich nur einmal vor, die Sonne würde sagen, der Müller bekommt heute keine Sonne, weil er es nicht verdient hat, aber der Meier bekommt eine Extra-Portion, weil er für ein Kinderhilfswerk gespendet hat. Können Sie sich das Chaos vorstellen, das dabei entstehen würde? Wenn Sie sich das nicht so gut vorstellen können, dann schauen Sie doch einfach mal, was der Mensch – durch sein Verhalten! – in der Weltgeschichte so alles angerichtet hat und heute noch jeden Tag anrichtet. Allzu harmonisch sieht das nicht aus. Seien wir also froh, dass wenigstens die Natur nicht urteilt.

Dies können Sie übrigens auch in der Bibel nachlesen:

„Denn er (Gott) lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Matthäus 5:44)

Es ist also allein der Mensch, der verzweifelt am Urteilen und Verurteilen festhält. Wir beurteilen andere danach, ob sie uns bei der Suche nach Zufriedenheit im Wege stehen oder von Nutzen sind. Wir definieren die anderen Personen als richtig oder falsch, wertvoll oder wertlos, gut oder böse. Und natürlich ist es auch leicht ersichtlich, warum. Würde man nämlich das Urteilen aufgeben, dann könnte man ja nicht mehr an anderen herumnörgeln; man könnte keine Mitarbeiter, Nachbarn, Politiker oder wen auch immer für etwas verantwortlich machen. Und den Spaß wollen sich viele nicht entgehen lassen. Außerdem würde es noch etwas ganz Außergewöhnliches bedeuten. Es würde nämlich bedeuten, dass ich plötzlich kein besserer Mensch mehr bin als der andere. Und jeder Mensch hätte menschlich gesehen, den gleichen Wert.

 

Solange ich aber noch mit dem Finger auf andere zeigen kann, solange empfinde ich mich noch als einen besseren Menschen. Das gibt mir ein angenehmes Gefühl von Überlegenheit und deshalb tun es so viele. Nur – und das machen Sie sich bitte bewusst: Daraus entstehen Probleme und Konflikte noch und nöcher. Denn wer hat es schon gerne, wenn er ständig als böse verurteilt wird.

 

Wenn wir also ernsthaft daran interessiert wären, unsere Probleme und Konflikte zu lösen, dann müssten wir sofort aufhören, andere zu verurteilen. Wenn wir aber ernsthaft der Meinung sind, die Welt bestehe aus Gut und Böse, dann müssen wir auch bereit sein, mit den entsprechenden Konflikten zu leben. Der Versuch eine friedlichere Welt zu schaffen, wäre dann reine Zeitverschwendung. Denn diese friedlichere Welt wird es nicht geben, solange wir so hartnäckig am Verurteilen festhalten.

 

Kriege in der Außenwelt – so sagt die Esoterik – entstehen nur deshalb, weil wir Kriege in unserer Innenwelt haben. Es ist völlig ausgeschlossen, dass es Krieg gibt, wenn im Innern eines Menschen totaler Friede herrscht. Nur der innere Friede, schafft Frieden im Außen. Anders kann es nicht sein. Und jeder Konflikt im Außen, macht uns im Endeffekt nur bewusst, welche Konflikte und welches Hasspotenzial wir Menschen in uns tragen. Und mit jeder Verurteilung der einen oder anderen Seite senden wir noch mehr Hasspotenzial in die Welt. Als Folge davon wird der Konflikt immer mehr aufgeheizt. Mit jeder Verurteilung gießen wir Öl ins Feuer und wundern uns dann, wenn die Konflikte überall auf der Welt eskalieren.

Die Physik sagt: Alles ist Energie. Also ist auch ein Krieg das Ergebnis einer bestimmten Qualität von Energie. Und schon die Bibel sagt: „Was Du säst, das wirst Du ernten.“ Wer also Hass sät, wird Hass ernten. Wer Bomben sät, wird Bomben (oder noch schlimmeres) ernten. Das ist doch eigentlich ganz leicht und trotzdem so schwer.

 

Auf einen einzelnen Menschen – also auch auf Sie übertragen – heißt das: Es wird kein harmonisches Leben für Sie geben, solange Sie andere Menschen – und sich selbst – immer wieder verurteilen. Hier haben wir auch die Erklärung, weshalb sowohl die Kirchen als auch die UNO und alle noch so zahlreichen Ethik-Vereinigungen wenig zur Lösung der Probleme beitragen können, ganz im Gegenteil: Da ja diese Organisationen ebenfalls in Gut und Böse unterteilen, schaffen sie vielerorts gleichzeitig neue Probleme, wie wir jetzt in Pakistan sehen können. Der bekannte Psychologe C. G. Jung hat dies auf seine Weise ausgedrückt: „Die Tugend ist den Menschen gefährlicher als das Laster.“ Ein tugendhafter Mensch verurteilt tendenziell nämlich stärker als ein lasterhafter – und schafft somit neue Konflikte, also genau das Gegenteil davon, was er ursprünglich wollte.

Es ist schwer zu verstehen, weshalb zahlreiche Menschen das nicht einsehen wollen. Beispiele gibt es viele, welche die hier dargelegte Ansicht belegen. Ein eindrucksvolles Beispiel aus der Politik ist das Verhältnis zwischen Israel und der PLO. Dieser Krieg dauert nun schon Jahrzehnte, weil der eine den anderen nicht traut und ihn als böse verurteilt – Ergebnis: Tausende von Toten, unsägliches Leid für beide Seiten, aber keine Fortschritte im Friedensprozess und keine Fortschritte in der Lebensqualität. Trotz enormer Kosten und Anstrengungen ist man keinen Schritt vorwärts gekommen.

Nur einmal, da gab es einen Lichtblick. Yitzhak Rabin drohte als damaliger Ministerpräsident von Israel nicht mehr mit der Faust, sondern streckte Herrn Arafat die offene Hand aus. Und plötzlich über Nacht kamen die Dinge ins Fließen. Es wurde möglich, was Jahrzehnte lang nicht möglich war – das Friedensabkommen von Camp David wurde unterschrieben. Und dann geschieht in solchen Fällen immer etwas Eigenartiges. Es gibt Menschen, die halten um jeden Preis weiterhin am Verurteilen fest, die wollen Konflikt und nicht Konfliktlösung. Und so war es auch in diesem Fall. Herr Rabin wurde ermordet – von eigenen fanatischen Landsleuten – und seit dieser Zeit herrscht wieder der erbarmungslose Krieg, den wir nun schon seit Jahrzehnten kennen.

 

Wer ständig am Verurteilen festhält, wählt immer den Konflikt und nicht die Konfliktlösung. Und das ist deren Entscheidung. Nur dürfen sich diese Leute dann auch nicht über die vielen Toten beklagen.

Die Geschichte ist voll von Beispielen analog dem von Israel und der PLO. Schauen Sie nach Irland, nach Jugoslawien, nach Mazedonien, nach Tschetschenien, nach Kaschmir oder nehmen Sie den Konflikt zwischen USA und Irak. Und natürlich läßt sich auch der jüngste Konflikt in die lange Reihe dieser Ereignisse einordnen.

Laut der westlichen Politiker war der Anschlag in New York ein Anschlag gegen die zivilisierte Welt. Und wer entscheidet darüber, wer zu dieser zivilisierten Welt gehört und wer nicht? Natürlich diejenigen, die das sagen. Und wer sind dann die Guten? Diejenigen, die sich ihrer Meinung anschließen; also müssen die anderen automatisch die Bösen sein, die man mit allen Mitteln bekämpfen muss. Hört man allerdings die andere Seite argumentieren, so erkennt man schon schnell, dass diese genau die umgekehrte Meinung haben und sich als die Guten und die USA (und deren Verbündete) als die Bösen betrachten. Und jetzt ist es eine Frage des Standpunktes, mit welcher Seite man sich identifiziert. Aber egal, welcher Seite Sie zustimmen, Sie schaffen damit immer ein Urteil und damit Konflikt und nicht Konfliktlösung. Das Ergebnis davon sehen wir nun jeden Tag über die Bildschirme flimmern.

 

Aber wir brauchen nicht unbedingt die Geschichte zu Rate ziehen, wenn wir etwas über das Aufteilen in Gut und Böse erfahren wollen. Die meisten Menschen werden dafür genügend Beispiele in ihrem eigenen Leben finden. Wie oft geschieht uns etwas, das wir sofort als schlecht oder negativ verurteilen. Betrachtet man das Ganze aber 5 oder 10 Jahre später im Rückblick, so stellen wir fest, dass das vermeintlich Schlechte eigentlich gar nicht so schlecht war. Es war zwar nicht angenehm, manchmal sogar schmerzhaft, aber es hatte im nachhinein betrachtet immer seinen Sinn. Aber im Moment des Verurteilens ist der Konflikt bereits geschaffen und deshalb mussten wir leiden. Und das ist auch meine einzige Hoffnung – dass wir daraus lernen und vielleicht eines Tages sagen:

Dieses tragische Ereignis vom 11. September 2001 war für die gesamte Menschheit heilsam. Die einstürzenden Twin-Towers haben auf schmerzhafte Weise unsere Werte wieder zurechtgerückt. Nicht Popstars sind die wahren Helden des Lebens, sondern Feuerwehrmänner und Krankenschwestern, nicht Rennfahrer sondern Ärzte und Katastrophenhelfer. Seit dieser Zeit beten Christen mit Muslimen, Juden mit Orthodoxen. Der Papst betete im islamischen Kasachstan und der russische Präsident Putin sprach deutsch im Reichstag und sagte: „Der kalte Krieg ist vorbei.“ Noch nie haben wir so bewusst die großartige Vielfalt der Nationen gesehen. Plötzlich bröckelte auch die zwischenmenschliche Distanz, die Trennung wurde durchbrochen. Nach mehr als 10 Jahren fragte meine Nachbarin den türkischen Gemüsehändler nach seinem Namen. Damals – ja damals haben wir Tausende von Menschen auf tragische Weise verloren, aber auch ein großes Stück unserer oberflächlichen Gleichgültigkeit. Wir haben ein großes Stück mehr Achtung vor dem Leben bekommen – und auch mehr Achtung vor dem Nächsten, der uns an der nächsten Ecke begegnet. Und wir haben begriffen, dass andere Menschen, andere Kulturen ein Recht darauf haben, so zu leben, wie sie leben wollen, ohne dass wir uns ständig einmischen und über sie urteilen. Auf diese Weise haben wir das entdeckt, das in allen Religionen schon seit Jahrtausenden im Mittelpunkt steht und doch so wenig verstanden wird: die Liebe. Wir haben die Liebe entdeckt – Gott sei Dank!

 

Wenn wir weiterhin an der Unterteilung in Gut und Böse festhalten wollen, dann sollten wir uns ehrlicherweise auch nicht über unsere persönlichen Probleme oder die Probleme in der Welt aufregen. Denn die einzig sinnvolle Aufregung wäre die über uns selbst – über unsere Unfähigkeit, die Dualität von Gut und Böse zu überwinden. Und deshalb wiederhole ich es noch einmal: Niemand hat uns aus dem Paradies vertrieben. Wir selbst haben uns hinausbefördert. Das, was wir das Paradies nennen, ist da, nur einen einzigen Gedanken von uns entfernt.

Natürlich hat uns auch Jesus auf diesen Umstand hingewiesen, indem er sagte: „Richtet nicht, auf dass Ihr nicht gerichtet werdet.“

Er sagt also klar und deutlich: wenn wir verurteilen und richten, schaffen wir Konflikt. Sagen Sie jetzt bitte nicht, das ist doch nur graue Theorie, man müsse doch die Realität ganz anders sehen. Das stimmt nicht. Diese Aussage von Jesus hat nichts mit Theorie zu tun, sondern mit einem universellen Gesetz – dem Gesetz von Ursache und Wirkung. Wenn wir richten, säen wir im gleichen Moment Konflikt, der sich dann immer auf die ein oder andere Weise ausdrücken wird. Im schlimmsten Fall mit Terror und Krieg. Wie gesagt, das ist keine Theorie, das ist ein Gesetz. Wer mag es schon, ständig von allen Seiten verurteilt und manchmal sogar unter dem Deckmantel der Moral gedemütigt zu werden. Denn die vermeintliche Moral muss immer herhalten, wenn wir andere Menschen aus welchem Grund auch immer ablehnen.

Im Universum gibt es aber keine Moral! Die Natur kennt keine Moral. Moral ist das Werk des Menschen, um andere Menschen zu beherrschen. Woher nimmt ein Mensch das Recht, über andere Menschen zu urteilen und sie zu verurteilen. Das widerspricht dem tiefsten Grundsatz des Christentums.

Und noch etwas ist wichtig: Wenn wir andere Menschen beurteilen, projizieren wir die Vergangenheit auf die Gegenwart und sehen sie nicht als das, was sie wirklich sind. Einfach auch Menschen wie wir, die auf ihre Art nach Seelenfrieden suchen. Das Licht, das im anderen Menschen leuchtet, ist das gleiche Licht, das in mir leuchtet – es kommt aus dem gleichen Ursprung, aus dem gleichen SEIN.

Machen Sie aber bitte jetzt nicht den Fehler, auf andere zu warten. Dann können Sie nämlich lange warten. Es geht nicht um andere, es geht nicht um die Welt, es geht um Sie. Es geht immer nur um Sie.

 

Bereits unsere Großmütter kannten schon die Lösung, mit der auch automatisch alle Weltprobleme gelöst werden könnten. Wie sagten sie doch immer wieder: „Wenn jeder vor seiner eigenen Türe wischen würde, dann wäre überall gewischt.“

Anders ausgedrückt: Wenn sich jeder um sich selbst kümmern würde, seine eigenen Probleme lösen und selbst immer besser werden würde, wäre überall gewischt. Wenn jeder auf dieser Welt sich selbst bedingungslos lieben würde, wäre überall gewischt. Denn nur wer sich selbst liebt, kann auch andere Menschen lieben.

Es geht also nicht um andere, es geht um Sie! Das Paradies wartet, es ist nur einen einzigen Gedanken von Ihnen entfernt; aber Sie müssen ihn denken. Niemand auf der Welt kann das für Sie tun!

 

(auszugsweise Texte aus dem Buch von René Egli: Das LOL²A-Prinzip)