Ein Tropfen Meereswasser ist voller Leben. Unter dem Mikroskop betrachtet wimmelt es darin von Bakterien und Schwebestoffen unterschiedlichster Herkunft. Sie machen den Tropfen zu einem Nahrungslieferanten für viele Lebewesen des Meeres. Trinkwasser soll diese Aufgabe aber nicht erfüllen. Es soll möglichst frei von Lebewesen sein, da diese für den menschlichen Organismus gesundheitsschädlich sein können.

Auch ist das Trinkwassersystem viel anfälliger als das Meer, wenngleich auch dessen Gleichgewicht durch den Eingriff des Menschen längst nicht mehr sicher ist.
Die Trinkwasserverordnung regelt das Vorhandensein von Lebewesen im Wasser mit strengen Grenzwerten, deren Einhaltung durch aufwändige Verfahren gewährleistet wird. Allein das viele tausend Kilometer lange Leitungsnetz entzieht sich der lückenlosen Überwachung. Da sie nicht hundertprozentig eliminiert werden können, gelangen Bakterien und andere Kleinstorganismen in das Trinkwasser. Auch mangelnde Kenntnis über das Vorkommen von bestimmten tropischen Lebewesen im heimischen Trinkwasser verhindert deren Identifikation und somit auch ihre Elimination. Mit der Mobilität der Menschen rücken eben nicht nur ferne Länder näher sondern auch fern geglaubte Parasiten ins mitteleuropäische Trinkwassernetz.

 

Gardia_LambliaLamblien gibt es nicht nur in Tropen
Lange Zeit hielt man Lamblien (Gardia Lamblia) für ein Problem der Südhalbkugel. In Tropeninstituten schon länger bekannt rückt der Parasit nun aber auch mehr und mehr in den allgemeinen Fokus der Gesundheit: Denn inzwischen sind die der Gruppe der Flagellaten zugehörigen Parasiten weltweit nachgewiesen: Von St. Petersburg (mit einer extrem hohen Belastung) bis in die reinen Bergflüsse der Rocky Mountains finden sie ihr Zuhause – und schlimmstenfalls ihren Weg in den Menschen. Längst sind nicht mehr nur Tropenreisende betroffen.

Die Flagellaten leben im Dünndarm. Dort kommt es zur Ausbildung von Zysten, die mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Durch Regenwasser werden die Fäkalien von Waldtieren in die Seen eingeschwemmt. Der Genuss von augenscheinlich reinem Wasser aus der Natur kann dann zu einer Infektion mit Durchfällen, Blähungen, Übelkeit führen. Opfer werden vor allem Kinder, immungeschwächte und alte Menschen.

Doch nicht nur die unerwünschten Kleinstlebewesen im Trinkwasser sind problematisch: Ein unberechenbarer Faktor sind die Einflüsse der im Wasser nachzuweisenden Medikamente auf diese Organismen, zu denen Bakterien, Pilze, Viren und andere zählen: Wenn zum Beispiel Bakterien unter dem Einfluss der ins Wasser gelangten Antibiotika resistent werden, steigt das Gesundheitsrisiko für Menschen mit einem geschwächten oder instabilen Immunsystem (Säuglinge, Kleinkinder, ältere Menschen, Menschen mit Immundefiziten allgemeiner Ursache wie zum Beispiel Stress und Infekte oder spezieller Art, zu denen Krebserkrankungen und generelle Schwächen des Immunsystems zählen). Denn Antibiotika resistente Stämme, also Bakterien die mit für sie typischerweise eingesetzten Antibiotika nicht mehr bekämpft werden können, sind sehr langwierig und aufwändig zu behandeln, so dass eine Infektion zu einem ernsten Risiko mit bisweilen ungewissem Ausgang werden kann.