Fachleute schlagen AlarmVor 5 Tagen Zu viele Pestizide im Schweizer Trinkwasser


Eine junge Frau genehmigt sich einen Schluck Wasser aus dem Wasserhahn.
Bild: Keystone/Walter Bieri

 

Das Schweizer Hahnenburger ist gefährdet. Gemäss den Wasserversorgern weist jede fünfte Trinkwasserfassung eine zu hohe Konzentration auf.
Wer Durst hat, öffnet kurz den Wasserhahn und schon ist der Durst gelöscht. Für das überall verfügbare saubere Trinkwasser ist die Schweiz bekannt. Ein Luxus. Doch genau dieses soll gefährdet sein. Die Schweizer Wasserversorger schlagen Alarm. An jeder fünften Trinkwasserfassung würden mittlerweile zu hohe Pestizid-Konzentrationen gemessen, schreiben sie in einem neuen Positionspapier, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Und weiter: «Die festgestellte Trendentwicklung ist besorgniserregend.»

Gemäss «NZZ am Sonntag» verwenden die Bauern jährlich über 2000 Tonnen Pestizide, um ihre Ernten vor Schädlingen und Krankheiten zu schützen. Gewisse Giftrückstände würden nicht nur in Bächen und Seen landen, sondern nachweislich auch im Grundwasser, welche die Hauptquelle für das Trinkwasser in der Schweiz ist. «Organische Pestizide, deren Abbauprodukte und andere Spurenstoffe können in der Schweiz in vielen Messstellen und auch in gewissen Trinkwasserfassungen nachgewiesen werden», warnt der Fachverband der Wasserversorger gemäss der Zeitung in einem neuen Positionspapier.

Wenn nicht vermieden werde, dass immer mehr und auch neue Stoffe ins Wasser gelangen, werde man künftig kein naturnahes Trinkwasser mehr anbieten können, so Martin Sager, Direktor des Vereins des Gas- und Wasserfaches. Ausser dieses werde zuvor für viel Geld aufbereitet, äussert sich Sager in der «NZZ am Sonntag».

Wasserversorger fordern Verbote

Als Gegenmassnahme sollen gezielte Verbote von Pestiziden helfen. Die Fachleute fordern, dass zumindest in den Schutzzonen – bisher sind nur 60 Prozent der Grundwasserzonen effektiv als solche ausgeschieden – um die Wasserfassungen den Einsatz von Pestiziden künftig komplett untersagt werden soll.

Zusätzlich soll genauer darauf geachtet werden, dass die schon geltenden Vorschriften konsequent vollzogen werden. Denn auch bei den Schutzzonen lasse das Schutzniveau häufig zu wünschen übrig, sei es wegen durchführender Strassen, der Industrie oder der Landwirtschaft.

All die gewünschten Verbesserungen und Forderungen der Wasserversorger soll der Bund nun in den Aktionsplan Pflanzenschutzmittel aufnehmen, der bald verabschiedet werden soll. (foa)

18.06.2017, Quelle: http://m.20min.ch/schweiz/news/story/29985927