WeihrauchWeihrauch hat im Christentum eine besondere Bedeutung und gilt als eines der Geschenke, die die drei Weisen aus dem Morgenland dem neugeborenen Jesus darbrachten. Heute wird aus diesem duftenden Harz ein ätherisches Öl gewonnen, das nicht nur für religiöse Rituale, sondern auch in der Aromatherapie und in der natürlichen Gesundheitslehre Verwendung findet. Hier erfahren Sie mehr über Weihrauchöl.

Was ist Weihrauchöl? 

Weihrauch, auch Olibanum genannt,1 stammt von den Boswellia-Bäumen, insbesondere Boswellia sacra und Boswellia carterii. Der milchig weiße Saft wird aus der Rinde extrahiert und härtet innerhalb weniger Tage zu Harz aus, das in tränenförmige Tropfen geschabt wird.2

Weihrauchbäume wachsen in afrikanischen und arabischen Regionen wie dem Jemen, Oman, Somalia und Äthiopien.3 In Oman, dem bekanntesten und ältesten Weihrauchland, wird er seit Jahrtausenden gehandelt und in andere Regionen exportiert, etwa in Mittelmeerländer, nach Indien und China.4

Der beste Weihrauch ist klar und silbrig mit einem leichten Grünton. Bräunlich gelbe Sorten sind am preiswertesten und am weitesten verbreitet. In Oman ist der beste Weihrauch normalerweise dem Sultan vorbehalten, nur selten wird er exportiert.5

 Weihrauch wird traditionell als Räucherwerk verbrannt. In Ägypten wurde er einst auch verkohlt und zerrieben, und die Frauen verwendeten ihn als Kajal zum Schminken. Heute wird das Harz mittels Wasserdampfdestillation zu einem ätherischen Öl mit zahlreichen Anwendungsgebieten verarbeitet.

Weihrauchöl hat einen holzigen, erdigen, würzigen und leicht fruchtigen Duft, der beruhigend wirkt. Es heißt, es sei süßer, frischer und reiner als Weihrauchharz.6

Anwendungsgebiete von Weihrauchöl

Weihrauchöl wird im Nahen Osten seit Tausenden von Jahren hoch geschätzt und in religiösen Zeremonien und als Salböl genutzt. Es ist aber auch ein beliebter Inhaltsstoff von Kosmetika und wurde sowohl in den Überresten von Angelsachsen als auch in den Überresten der alten Ägyptern gefunden.7

Ich glaube, dass Weihrauchöl eines der besten essenziellen Öle ist, mit denen Sie sich selbst etwas Gutes tun können. Es wirkt beruhigend, fördert die Vorstellungskraft, verbessert die spirituelle Verbindung und hilft bei Stress und Kummer.8

In der Aromatherapie wird Weihrauchöl entweder inhaliert oder mit einem Vaporizer versprüht. Es ist ein effektives Sedativum, das das Gefühl mentalen Friedens, von Entspannung und Zufriedenheit fördert sowie Ängste, Wut und Stress mindern kann.9

Weihrauchöl fördert die Zellregeneration und hält Zellen und Gewebe gesund. Es hilft bei trockener Haut, kehrt Alterszeichen um und lindert Dehnungsstreifen und Narben.10 Mit seinen adstringierenden Eigenschaften kann Weihrauchöl11

  • das Zahnfleisch und die Haarwurzeln stärken,
  • Blutungen stillen,
  • die Heilung von Schnitten, Akne, Insektenstichen und Beulen beschleunigen.

Inhaltsstoffe des Weihrauchöls

Die Hauptkomponenten von Weihrauchöl sind Ketone (Olibanol), Harzstoffe (30 bis 60 Prozent) und Terpene wie ɑ-Pinen und ß-Pinen, Camphen, Dipenten und Phellandren.12 Daneben enthält es Octanol, Bornylacetat, Linalool, Octylacetat, Incensol und Incensylacetat.13

Die Monoterpene und Sesquiterpene sind die wertvollsten Bestandteile des Weihrauchöls. Laut dem Buch Reference Guide for Essential Oils von Connie und Alan Higley schützen Monoterpene vor Toxinen in der Leber und den Nieren und können sie sogar eliminieren; außerdem wirken sie antiseptisch, antibakteriell, stimulierend, (leicht) analgetisch und schleimlösend.14

Sesquiterpene wiederum können die Blut-Hirn-Schranke überwinden und das limbische System des Gehirns, den Hypothalamus sowie die Zirbel- und die Hirnanhangdrüse stimulieren.15

Gesundheitlicher Nutzen des Weihrauchöls 

Die gesundheitlichen Vorteile des Weihrauchöls sind hauptsächlich seine entzündungshemmenden, adstringierenden, desinfizierenden, verdauungsfördernden, harntreibenden und schleimlösenden Eigenschaften. Darüber hinaus vertreibt es Blähungen und wirkt narbenbildend, menstruations- und wehenfördernd sowie wundheilend.

Weihrauchöl gilt als Tonikum, weil es alle Körpersysteme – zum Beispiel Verdauungs-, Atmungs-, Nerven- und Ausscheidungssystem – kräftigt. Es fördert auch die Aufnahme von Nährstoffen und stärkt das Immunsystem.16

Weihrauchöl hilft nachweislich bei folgenden Krankheiten:

  • Arthritis und rheumatische Arthritis: Forscher von der Cardiff University fanden heraus, dass Weihrauch die Produktion von wichtigen Entzündungsmolekülen verhindert und vor Knorpelschäden schützt, die diese Krankheiten verursachen.17
    Zudem konnte Weihrauch oder Boswellin in Tierstudien Entzündungen in deutlichem Maß reduzieren. Tatsächlich ist es eines meiner Lieblingsöle, weil ich selbst gesehen habe, wie gut es bei vielen meiner Patienten mit rheumatischer Arthritis als natürliches Schmerzmittel wirkt.
  • Erkältungen und Atemprobleme: Weihrauchöl kann Schleimablagerungen in den Atemwegen und den Lungen abbauen und die mit Bronchitis einhergehende Kongestion lindern.18
  • Probleme in der Mundhöhle: Durch seine antiseptische Wirkung kann das Öl vor Mundgeruch, Karies, Zahnschmerzen, wunden Stellen im Mund und anderen Infektionen schützen.19
  • Verdauungsstörungen: Weihrauchöl beschleunigt die Absonderung von Magensäften, Galle und Säuren und stimuliert die Peristaltik, wodurch die Nahrung schneller durch den Darm transportiert wird.20
  • Gebärmutterprobleme: Weihrauchöl reguliert bei Frauen die Östrogenproduktion und senkt das Risiko für Tumore und Zystenbildung im Uterus (Gebärmutterkrebs) nach den Wechseljahren. Außerdem reguliert es den Menstruationszyklus vor der Menopause.21

Derzeit wird auch untersucht, ob Weihrauch in der Krebsbehandlung eingesetzt werden könnte. Wissenschaftler haben in diesem Öl einen Wirkstoff gefunden, der möglicherweise die Metastasierung stoppen kann.22

Herstellung von Weihrauchöl

Das Öl wird durch Wasserdampfdestillation des rohen Weihrauchharzes gewonnen. Achten Sie beim Kauf von Weihrauchöl darauf, 100-prozentig reines ätherisches Öl der höchsten Qualität zu wählen.

Verwechseln Sie bitte nicht ätherisches, essenzielles Öl mit Duftöl. Ersteres wird aus Pflanzen gewonnen, während Duftöle normalerweise künstlich hergestellt sind und häufig synthetische Chemikalien enthalten. Sie riechen zwar gut und sind meist billiger, haben aber nicht die therapeutischen Wirkungen wie biologische ätherische Öle.23

 

Wie wirkt Weihrauchöl?

Weihrauchöl kann äußerlich angewendet, mithilfe eines Zerstäubers oder Vaporisators inhaliert oder in sehr kleinen Dosierungen geschluckt werden.24 Zur Schmerzlinderung reiben Sie einfach die betroffene Stelle damit ein. Bei Erkältungen und bei Atemproblemen wenden Sie es im Zerstäuber oder Inhaliergerät an. Sie können auch einfach ein paar Tropfen auf ein sauberes Tuch geben und den Duft einatmen. Und im Badewasser sorgt es für ein wahres Verjüngungsbad.25

Weihrauchöl kann pur auf die Haut aufgetragen oder mit anderen Trägerölen wie Jojoba-, Süßmandel-, Avocado-, Patchouli-, Rosmarin-, Muskatellersalbei-, Zitrus- oder Basilikumöl vermischt werden.

 Ist Weihrauchöl sicher?

Ja, im Allgemeinen ist Weihrauchöl sicher. Ich rate Ihnen jedoch, zunächst einen Test zu machen, um festzustellen, ob Sie es vertragen. Wenn Sie es innerlich anwenden wollen, lösen Sie einen Tropfen in einem Speiseöl (zum Beispiel Kokosöl), einem Teelöffel Honig, einem Glas gereinigtem Wasser oder einem anderen Getränk (keine Milchprodukte, keine säurehaltigen Getränke) auf.26 Sie können auch ein, zwei Tropfen unter Ihre Zunge platzieren.27 Kinder unter sechs Jahren sollten dieses Öl jedoch nicht schlucken. Für ältere Kinder und Jugendliche sollte man es eventuell stärker verdünnen als für Erwachsene.

Nebenwirkungen von Weihrauchöl

Von Weihrauchöl sind keine schweren Nebenwirkungen bekannt.28 In seltenen Fällen kann es jedoch zu Hautausschlägen und Magen-Darm-Problemen wie Übelkeit, Bauchschmerzen oder Übersäuerung führen. Da es auch blutverdünnend wirkt, kann es bei Personen, die Blutgerinnungsstörungen haben oder Blutverdünner einnehmen, das Risiko für ungewöhnlich starke Blutungen erhöhen.29

Essenzielles Weihrauchöl ist in der Schwangerschaft (und auch in der Stillzeit) nicht zu empfehlen, weil es wehenfördernd wirkt und Regelblutungen hervorrufen kann, die für das Ungeborene gefährlich sein können.30

Und bitte beachten Sie:

»Nicht alle Weihrauchöle sind für die innerliche Anwendung gemacht. Lesen Sie vor dem Einnehmen unbedingt die Etikettenaufschrift.«

Anmerkungen:

History, 27. Juni 2011

2, 5 Slate, 14. Dezember 2010

3, 4 LiveScience, 24. Dezember 2012

AromaWeb

7, 13, 16, 19, 20, 21 Organic Facts

Young Living

Beauty by Britanie, 29. Juli 2013

10 About.com, 2. August 2013

11, 18 Natural Health 365, 21. Juli 2012

12 Aromatherapy Bible

14 Reference Guide for Essential Oils, 2013

15 Essential-Oils-4-Healing.com

17 ScienceDaily, 4. August 2011

22 BBC News, 9. Februar 2010

23 Mercola.com, 13. März 2004

24, 26 Sustainable Baby Steps

25 Enfleurage

27 Frontier Blessings, 18. Oktober 2013

28, 30 Gentle World

29 VeriaLiving.com, 2012