Dr. Reinwald LogoDr. Heinz Reinwald

 

1. Grundlagen: Bioakumulation, Barriersysteme und Biotransformation

Zu keinem Zeitpunkt in seiner Geschichte war der Mensch einer vergleichbaren Giftbelastung ausgesetzt wie heute. Die industrielle Produktion entläßt Jahr für Jahr Abermillionen von Tonnen synthetisch erzeugter Schadstoffe und toxischer Verbindungen in die Umwelt – nicht nur im Rahmen solcher Katastrophen, wie wir sie gerade wieder in Japan erlebt haben. Dieser Irrsinn hat Methode! Er ist Teil unseres Wertekanons: grenzenlose Machbarkeit verknüpft mit der grenzenlosen Gier nach pekuniären Werten.

Zu den massiveren Umweltbelastungen aus der jüngeren Zeit gehören selbst gutgemeinte, im Grunde jedoch mehr als verschlimmbessernde Versuche unserer ökologischen Heilsbringer, wie wir sie in der Reduzierung der Abgasbelastung durch Feinstaubfilter bei Dieselmotoren erleben. War unser Immunsystem mit seinen Makrophagen noch einigermaßen gegen die Großpartikel aus fetthaltigem Ruß gerüstet, so sind unsere Lungen dem Öko-Feinstaub und seinen Nanopartikeln aus den neuen Filtern hilflos ausgeliefert. Die Zunahme der Lungenerkrankungen spricht eine deutliche Sprache.

Es gibt unzählige solcher Giftschauplätze, von Amalgam über quecksilberhaltige Energiesparlampen bis zu den Biophenolen in Plastikflaschen. Allein in Deutschland werden pro Jahr 30.000 Tonnen Pestizide ausgebracht. Das ist ein vergleichsweise geringer Teil gegenüber Ländern wie Spanien, wo Tomaten und Umwelt im Flußdelta des Guadálquivir gezielt vergiftet werden. Nicht zu vergessen die Dritte-Welt-Länder in Afrika und Asien, an die wir unsere effizienten Industriegifte verkaufen, wenn ihre Verwendung bei uns zuhause verboten wird. Ein schlichter Kopfsalat wird bis zur Ernte schlappe 15 Mal mit Pestiziden besprüht. Die Belastung von einem Kilogramm Mohrrüben aus konventionellem Anbau darf 5.000 mg Pestizide für »Erwachsene« ab drei Jahren enthalten, während die gleiche Mohrrübe nach Baby-Norm mit Einnahme bis zum dritten Lebensjahr 10 mg pro Kilo nicht überschreiten darf. Ein Bodensee-Apfel wird mit bis zu 28 verschiedenen Pflanzenschutzmitteln malträtiert, um die jeweils für Einzelsubstanzen zulässigen Höchstwerte nicht zu überschreiten. Und Deutsche Winzer entdecken plötzlich Öko, angeblich weil solche Weine gesünder sind. In Wahrheit geht es bei der »Entdeckung des Mittelmeers« unter dem Deckmantel Qualität darum, der erdrückenden Konkurrenz aus Drittländern mit neuen Marketingmaßnahmen zu begegnen.

Allein der Begriff der konventionellen Landwirtschaft ist ein Euphemismus erster Güte.

Die Zerstörung der Bodenstruktur, des Bodenlebens und der ökologischen Artenvielfalt von Mikro- und Ma- kroorganismen bilden ihre Grundlage. 150 Jahre chemisch-industrieller Irrsinn werden als Normalität verkauft, mehr als 10.000 Jahre Ackerbau im Gleichklang mit der Natur dagegen als minderwertig angesehen.

Einer meiner Parkinson-Patienten eröffnete mir auf gezieltes Nachfragen und nach Testung einer enormen Pestizidbelastung mit der Oberon-NLS-Analyse, daß er Sohn eines Weinbauers sei und in seiner frühen Jugend mit dem Traktor häufig große Mengen an Pestiziden ausgebracht hätte. Er wäre dann jedes Mal von den Sprühwolken der synthetischen Gifte bis auf die Haut völlig durchnäßt zurückgekommen. An einen Schutzanzug hätte er wohl nicht gedacht. Ein anderer Patient mit erheblichen Vergiftungen des ZNS berichtete mir nach der Testung ähnliches. Er hatte einen 30-50 cm ausschlagenden Tremor am rechten Arm und extreme Versteifungen der Oberschenkelmuskulatur durch das jahrelange Zittern. Er befand sich seit etwa drei Jahren in diversen, erfolglosen Diagnose- und Behandlungsversuchen, bis man ihm am Ende ein neurologisches Problem bescheinigte und zur vorhandenen Vergiftung weitere Medikamente dazu empfahl. Er war übrigens Gefahrengutleiter eines großen Chemiekonzerns. Mit Hilfe meines speziellen Stoffwechselprogramms, gezielter Entgiftung und dem Einsatz von Mikroenergietherapie war er innerhalb von 3 Monaten nahezu vollständig ohne Tremor, die Verhärtungen an den Oberschenkeln waren verschwunden, die Muskulatur wieder weich. Sie mußte dann wieder gezielt aufgebaut werden.

 

1.1. Bioakkumulation

Auch viele Pflanzen produzieren zur Abwehr gegen Feinde toxische, sekundäre Pflanzenstoffe. Und schließlich sezernieren auch Mikroorganismen wie Schimmelpilze Gifte, die mehr oder weniger starke toxische Wirkung auf den Säugerorganismus haben. Dabei sind es nicht immer nur exogene Schimmelpilze wie der Aspergillus flavus mit seinen Aflatoxinen oder der Aspergillus fumigatus, den wir etwa in der Nähe von Komposthaufen in großen Mengen einatmen. Günther Enderlein hat schon vor mehr als 80 Jahren darauf hingewiesen, daß symbiontisch mit uns lebende Pilzformen wie der Mucor racemosus und der Aspergillus niger bestrebt sind, der Mucor racemosus Milchsäure und der Aspergillus niger Zitronensäure, aber eben auch Kalzium, das als komplexiertes, d. h. an Bicarbonat, Phosphat oder Laktat bzw. an Albumin gebundenes Kalzium abgelagert wird und nicht wie ionisiertes Kalzium bioverfügbar ist. Dadurch können Hyperkalziämie und Hypokalziämie durchaus nebeneinander auftreten. Die Anhäufung der organischen Säuren und Enzyme durch diese Symbionten kann zu Stoffwechselentgleisungen des Wirts führen und schwere gesundheitliche Schäden nach sich ziehen. Gerne übersehen werden auch mehrzellige Parasiten wie Rund- und Plattwürmer etc. mit ihrer hohen Affinität zu Toxinen und Schwermetallen, die selbst auch toxische Stoffwechselabbauprodukte sezernieren und deren Wirkung man dann häufig als Lebensmittelallergien deklariert.

Der Mensch steht an der Spitze der Nahrungskette.

Durch Bioakkumulation können Belastungen mit Pestiziden in Pflanzen über mehrere Stufen angereichert werden. Vom Herbivoren, der die Pflanzen frißt, über die Carnivoren, die die Pflanzenfresser fressen, verläuft der Weg bis zum Omnivoren Mensch, bei dem sich die Gifte tausendfach, ja millionenfach konzentrieren können. Das gilt natürlich auch für andere Tiere an der Spitze der Nahrungskette. So sind beispielsweise auch die dünnen Eierschalen des Seeadlers Ausdruck der erhöhten Giftaufnahme durch Fische, die im Giftmüll unserer Abfälle schwimmen. Bei Kindern erleben wir dann Verhaltensauffälligkeiten nach Mehrfachimpfungen wie ADS mit oder ohne Hyperaktivität – »Zappelphilipp« oder autistischer »Hans-Guck-in-die-Luft«. Bei erwachsenen Männern häufen sich Azoospermie und bei Frauen Unfruchtbarkeit.

Es braucht heute also nicht notwendigerweise auch noch die subtileren Formen der Intoxifikation, mit denen uns die moderne Medizin beglückt, etwa durch quecksilberhaltige Impfstoffe, Zahnamalgam oder Medikamente. Allein die tägliche Aufnahme der Umwelttoxine durch atmen, trinken und essen hat ein erschreckendes Ausmaß angenommen. Elektrosmog, systemisch verstärkt durch Anreicherung von Schwermetallen, die wie Antennen in unserem Körper verstärken, trägt das Übrige dazu bei. Die Überfrachtung mit Giften scheint aber noch nicht zu genügen. Streß, Bewegungsmangel, ein »kanzerogener« Lebensstil und relativer Nährstoffmangel durch die Zerstörung der biologischen Basis unserer Nahrung reduzieren zusätzlich die Kraft unseres Organismus, seine tägliche Entgiftungsarbeit aufrechtzuerhalten. Allein die Ballaststoffaufnahme, die zur täglichen Darmentgiftung beiträgt, hat gegenüber einem Landmann von vor noch 60 Jahren um 90 % abgenommen.

All diese Faktoren vergrößern die Kluft zwischen täglicher Vergiftung und täglicher Entgiftungsleistung unseres Körpers, so daß sich im Lauf der Jahre enorme kumulative Prozesse ergeben. Die schleichenden Ergebnisse solcher über Jahre und Jahrzehnte dauernden Anreicherungen können chronische, chronisch-degenerative und Multisystemerkrankungen mit Mitochondriopathien sein. Häufig werden diese Krankheitsbilder jedoch nicht einmal ansatzweise mit dem Problem einer schleichenden Intoxifikation und einer zunehmend gestörten Entgiftungsleistung in Verbindung gebracht, sondern meist als altersbedingt oder ererbt interpretiert. Dabei müßte man es doch besser wissen. Man macht sich dieses Wissen bei der gezielten Tötung von Ratten zunutze, denen man vergiftetes Futter ausstreut, das erst Wochen später seine Wirkung zeigt und von den Tieren nicht erkannt wird. Die hochintelligenten Tiere würden den Tod durch lebensbedrohliche Nahrung sofort als Information an die nachfolgenden Generationen weitergeben, was sie jedoch nicht können, weil sie den Zusammenhang zwischen Futtermittelaufnahme und ihrem dadurch bewirkten Tod nicht unmittelbar erkennen können. So wie wir Menschen eben auch. Ratten bevorzugen im Übrigen Bio-Kost, das haben Laborversuche gezeigt. Die Folge: weniger Totgeburten als bei Fütterung mit Produkten aus »konventionellem« Anbau.

In Bezug auf seine eigene Gesundheit scheint sich der Mensch ob der Folgen seiner solchen schleichenden Vergiftung nicht bewußt zu sein, obwohl Langzeitschäden durch solche Gifte wie Krebs, Alzheimer oder Multi- ple Sklerose längst im Fokus vieler Wissenschaftler stehen. Einer der Gründe für den laxen Umgang mit diesen Dingen liegt sicherlich in der Fähigkeit unseres Körpers, solche Systembelastungen über viele Jahre und Jahrzehnte metabolisch zu kompensieren.

 

1.2. Hydrophile und lipophile Toxine, Belastung durch Strahlung

Unser Organismus hat verschiedene Möglichkeiten, mit Umweltgiften fertig zu werden, viele der synthetischen Toxine kann er jedoch nicht verstoffwechseln. Die Verweildauer und die Gefährlichkeit von toxischen Substanzen in einem biologischen System werden stark durch ihre chemischen und physikalischen Eigen- schaften bestimmt. Ist eine Verbindung wasserlöslich, dann kann sie in aller Regel rasch metabolisiert und ausgeschieden werden, da unser Organismus dafür eine breite Palette an Enzymen bereithält, die auch komplexe Moleküle abbauen können. Grundvoraussetzung dafür ist zunächst einmal natürlich der ausreichende Konsum von entgiftungsunterstützenden Nährstoffen und das dafür erforderliche Lösungsmittel: Wasser in einer energiereichen, ionisierten Form. Die hohe Metabolisierungsfähigkeit gilt allerdings nicht für alle wasserlöslichen Gifte. Einige davon werden zur Entschärfung ihrer unmittelbaren Toxizität in körpereigenes Gewebe eingebaut und abgelagert, falls der Körper sie nicht rechtzeitig zur Ausscheidung bringt. Dazu gehört z. B. Blei, das bei Ablagerung die Verbindungsstellen von Eisen im Blut oder Kalzium in den Knochen besetzen kann, weil es ähnliche Atomradianten besitzt. Beethoven ist dafür ein tragisches Beispiel. Die Schädelfragmente, die man vor einigen Jahren in den USA entdeckte und auf seine Echtheit hin untersuchte, weisen noch heute eine um das 200-fach höhere Bleibelastung auf als es der Norm entspricht. Blei kann als hydrophile Substanz die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren, trotzdem bewirkt die hohe Blutzirkulation im circumventrikulären Raum unseres Gehirns von bis zu 900 Litern Durchfluß am Tag (= 13 % des Herzzeitvolumens) im Durchschnitt bei einem Erwachsenen automatisch eine höhere »Umschlagsgeschwindigkeit«, so daß eine verstärkte Einlagerung von Blei in der Schädelkalotte schon allein aufgrund der Passagehäufigkeit nicht verwunderlich ist. Auch andere berühmte Männer wie etwa der spanische Maler Franzisco Goya, der nach schwerer Krankheit und gei- stiger Verwirrung verstarb, war durch die bleihaltigen Farben, die wir auch heute noch in Kinderspielzeug aus Fernost importieren, schwerstens vergiftet. Wissenschaftler vermuten, daß seine Spermien ebenfalls enorm belastet waren und es dadurch zu den 16 Fehlgeburten seiner Frau kam.

Um einiges problematischer sieht es mit den lipophilen Toxinen aus. Dazu gehören die schon erwähnten Pestizide und Herbizide, aber auch Lösungsmittel, Weichmacher und Nikotin aus Tabakkonsum sowie – nicht zu vergessen – die organischen Quecksilberverbindungen, wie man sie uns gerne kollektiv in Impfungen verabreichen möchte. Sie werden nicht nur langsamer verstoffwechselt als ihre hydrophilen Kollegen, sie lagern sich durch ihre Fettbindungsfähigkeit auch leichter ab und können erfolgreich in Fettgewebe angesammelt werden, was bei der zunehmenden Fettleibigkeit unserer Bevölkerung durchaus einen gewissen »Reichtum« bedeutet. Diese Bioakkumulation hat auf Dauer fatale Folgen. Durch Ablagerung etwa an den Transportsystemen der verschiedenen Kompartimente können sie den aktiven und den passiven Transport von Substanzen des Intermediärstoffwechsels erheblich beeinträchtigen. Sie verhindern durch die Blockierung von Kanalproteinen der Zelle den passiven Prozeß der erleichterten Diffusion, was die Nährstoffversorgung der Zelle, aber auch die Giftentsorgung aus der Zelle unterbindet. Auch der aktive Transport zwischen Mitochondrienmatrix, Mitochondrienmembran und Zytoplasma über Carrier-Systeme oder die Substratkettenphosphorylierung zur Erzeugung der vom Ladungsgradienten abhängigen chemi-osmotischen Koppelung kann gestört werden. Schwermetalle reduzieren oder erhöhen durch ihre elektro-chemische Wirkung das Ladungspotenzial der Zellmembranen und unterbrechen damit die so wichtige biochemische Kaskade des Citrat-Zyklus und die Zellatmung. Auch radioaktive Strahlungen beeinträchtigen das Stoffwechselgeschehen z. B. über die Schilddrüse. Als Therapeuten bezeichnen wir das dann etwas vereinfacht als Blockaden. Quecksilber dockt z. B. an wichtige Bindestellen von Molekülverbindungen mit Thiol- oder Hydroxylgruppen an und kann auf diese Weise wichtige enzymatische Reaktionsschritte wie z. B. die Methionin- oder die Glutathion-Biosynthese blockie- ren. Glutathion ist eines der wichtigsten Antioxidantien der Zelle. Die Folge können weitreichende Schäden an den Mitochondrien sein und so die Entstehung von Mitochondriopathien und Multisystemerkrankungen begünstigen.

 

1.3. Barrieresysteme, Ebenen der Entgiftung und Biotransformation

Um diese Prozesse besser zu verstehen, kommen wir um einige für die Entgiftung wichtigen Grundlagen der Biochemie nicht umhin. Meines Erachtens entstehen aus der Unkenntnis der unterschiedlichen biochemischen Abläufe in den jeweiligen Reaktionsräumen, zumindest soweit sie bis heute bekannt sind, die meisten Fehler bei der Entgiftung und Ausleitung von Toxinen.

Für meine weitere Argumentation unterscheide ich zunächst (1) drei große Barrieresysteme sowie die sich aus dieser Einteilung ergebenden (2) drei Entgiftungsebenen des menschlichen Organismus (ohne geistige Entgiftung). Nährstoffe und Substrate aus der Nahrungszufuhr und dem Intermediärstoffwechsel ebenso wie Toxine müssen grundsätzlich alle drei großen Barrieresysteme im menschlichen Organismus überwinden, um bis in die organspezifischen Zell- und Zellsubsysteme zu gelangen, so dass sich eine analoge Einteilung der Entgiftung und Rückführung auf diesen drei Ebenen anbietet. Schließlich gibt es noch den Prozessablauf selbst, der grob als (3) dreistufige Kaskade der Biotransformation von Toxinen in biologischen Systemen von Säugern bezeichnet werden kann.

1.3.1. Die verschiedenen Barrieresysteme

Das erste Barrieresystem ist das der Haut und Schleimhäute, insbesondere das der nach »innen gestülpten Außenhaut«, die Schleimhautschicht des Darms. Haut, Darmschleimhaut und Lunge bilden eine funktionale Einheit, wie sie nicht nur die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) postuliert, sondern auch in der Traditio- nellen Abendländischen Medizin (TAM) seit langem bekannt ist: »Haut: Dulderin des Darms«. Das zweite große Barrieresystem besteht aus der Transitstrecke zwischen Blutstrombahnen und Parenchym, einschließlich des Übergangs über die Membransysteme von Zelle und Organellen in deren Subsysteme. Ich fasse also Blutstrombahnen, Extrazellularraum (EZR), Intrazellulären Raum (IZR) sowie die Matrix der Organellen in einer Barriereeinheit zusammen. Dieses zweite Barrieresystem grenze ich nur noch einmal zum Gehirn ab, das ein drittes großes Barrieresystem ausgebildet hat, das aus der Blut-Liquor-Schranke (BLS) und der Blut-Hirn-Schranke (BHS) besteht und eine Sonderstellung einnimmt.

Alle Barrieresysteme sind in sich wiederum mehrstufig aufgebaut und vergleichbar mit den unterschiedlichen Zugangsstufen eines Stau- und Schleusensystems.

Der erste Schutzfilm im ersten großen Barrieresystem wird von der Schleim-Wasserschicht im Darm gebildet, in deren Ökosystem Milliarden symbiontischer Bakterien eine zweite passive Schutzschicht aufbauen. Die Darmschleimhaut selbst bildet mit einer riesigen Kontaktfläche von bis zu 400 m2 durch die so genannten tight junctions die nächste Schutzstufe. Sie markiert quasi den regulierten »Grenzübergang« zwischen Außenwelt und Blutstrombahnen. Im Anschluß daran ist mit dem Darm-Immunsystem als Teil des Schleimhaut assoziierten lymphatischen Gewebes eine vierte Schranke aufgebaut, bevor es in die Pfortader übergeht, die mit der Leber eine weitere Begrenzungsstelle darstellt. Gifte, die es geschafft haben, die Darm- oder Schleimhautbarriere zu überwinden (GALT als Gut Associated Lymphoid Tissue und MALT als Mucosal Associated Lymphoid Tissue) und über die Pfortader der Leber zufließen, können dort konjugiert und abgebaut werden, falls die Nährstoffsitua- tion und die Entgiftungskräfte der Leber ausreichen.

Eine intakte physiologische Darmflora, eine ausreichende Nährstoffversorgung und eine funktionierende Le- ber sind daher die wichtigsten Grundvoraussetzungen einer jeden erfolgreichen Entgiftung.

Jeglicher Verdacht auf eine Störung dieses ersten großen Barrieresystems im Darm, etwa durch ein Leaky-Gut- Syndrom, ist vor einer Ausleitungsmaßnahme auszuschließen, da es sonst zu intestinalen Rückresorptionen hochtoxischer Metobolite kommen kann. Ich bezeichne diese Ebene der Entgiftung als »die Entgiftung des Äußersten im Inneren«.

Die zweite Barrierestufe reicht von den Blutstrombahnen über die Transitstrecke des Pischinger-Raums zum Parenchym und umfaßt in meiner Definition auch den Übertritt in die Kompartimente der Zelle und ihrer Subsysteme. Hier werden, wie schon in den Schleimhaut assoziierten Geweben, durch entsprechende Antigen- Antikörper-Reaktionen, pH-Milieu-Regulationen sowie die Barrieren der Membransysteme von Zellen und Organellen weitere Abwehrmaßnahmen gesteuert. Ich bezeichne diese Ebene der Entgiftung als »die Entgiftung des Inneren im Inneren«.

Schließlich haben wir das Gehirn mit seiner Sonderstellung. Mit gerade einmal 2 % der Körpermasse verbraucht es immerhin 20 % der gesamten Energie. In einer Minute pulsieren 610 ml durch seine Kapillaren, hochgerechnet auf 24 Stunden macht das immerhin etwa 900 Liter. Es reagiert sehr viel empfindlicher als andere Organe auf Schwankungen des Sauerstoffgehalts, auf Entzug an Nährstoffen oder Belastungen mit Giftstoffen. Die Erhaltung seines stabilen Gleichgewichts steht deshalb an oberster Stelle. Um dieses zu gewährleisten, hat es ein ausgeklügeltes, zweistufiges Schrankensystem entwickelt, das in sich wiederum mehrstufig gegliedert ist: die eher funktional ausgerichtete Blut-Liquor-Schranke (BLS) und die funktionale und physiologische Barriere der Blut-Hirn-Schranke (BHS). Hinter diesem abgestuften System an »Schranken« in beide Richtungen verbirgt sich eine komplexe Regulation, das über ein Netzwerk von Geweben mit verschiedenen morphologischen Strukturen miteinander verknüpft ist. Es soll eine optimale Versorgung bei bestmöglicher Abgrenzung gewährleisten und den in beide Richtungen fließenden Stoffaustausch garantieren. Das Endothelgewebe der Hirnkapillaren weist strukturelle Ähnlichkeiten mit den Bauprinzipien anderer Gewebe, insbesondere denen des Darms auf, mit denen es entwicklungsgeschichtliche Parallelen teilt. So hat sich der Darm beim Menschen reziprok-invers und proportional zum Größenwachstum des Gehirns zurückentwickelt. Gehirn und Darm teilen sich daher nicht nur viele Neurotransmitter, weshalb man auch vom Darmhirn spricht, sie haben auch das gleiche System der tight junctions, allerdings mit wesentlichen Unterschieden, die für eine Entgiftung des ZNS von großer Bedeutung sind: Das Darmgewebe ist Epithelgewebe, steht also mit der »Außenwelt« unmittelbar in Kontakt, während es sich bei der BHS um Endothelzellen handelt, d. h. keinerlei direkter Kontakt zur »Außenwelt« besteht. Auch die speziellen morphologischen und biochemischen Eigenschaften der Zellgewebe der Hirnkapillaren sind gegenüber jenen des Darms höchst unterschiedlich. Die tight junctions der Darmschleimhäute sind weitaus weniger dicht als diejenigen der Hirnkapillaren. Wegen seiner hohen Dichtigkeit spricht man bei den Geweben der BHS auch von einem kontinuierlichen Endothel. Die Endothelzellen der Hirnkapillaren sind zusätzlich noch von einer dichten Gewebeschicht an Perizyten umgeben, die mit dem Endothel eine gemeinsame Basalmembran teilen. Ihre Aufgabe ist es u. a. lokal unabhängig den Blutdruck zu regulieren und eine Art »zweite Abwehrlinie« zu bilden. Sie ist zur Phagozytose und zur Präsentation von Antigenen in der Lage, um neurotoxische Stoffe fernzuhalten. Die gemeinsame Basalmembran der BHS enthält wiederum zwei verschiedene, mit unterschiedlicher Enzymausstattung, elektrischer Polarisierung und differenten Funktionen bemächtigte Membransysteme: die dem Gehirn zugewandte abluminale Membran und die dem Blutgefäß zugewandte luminale Membran. Mit ihrer abluminalen Seite grenzt die Basallamina an die Plasmamembran der Endfüße von Astrozyten, die wiederum zu fast 99 % die beiden darunter liegenden Zellgewebe, das Endothel und die Perizyten, abschließen. Astrozyten sind sternförmige Makrogliazellen, die mit ihren Fortsätzen zu den Neuronen deren Ernährung dienen. Sie sind mit dem so genannten astrocyte swelling u. a. verantwortlich für Kopfschmerzen bei Entgiftungsreaktionen. Die tight junctions der Endothelzellen verschließen nicht nur den Interzellularspalt zwischen den Zellen, sondern schnüren durch ihre gürtelförmige Umfassung die Zellen quasi von allen Seiten ein, so dass auch die wechselseitige Membrandiffusion erschwert wird. Dadurch ist jede dieser Schichten potenziell in der Lage, den Transport gelöster Substanzen in beide Richtungen zu unterbinden. Moleküle, die die BHS durchwandern wollen, müssen diese zwei Membranschichten mit ihren jeweils verschiedenen Eigenschaften durchqueren. So existieren beispielsweise in der luminalen Membran unterstützende Transportsysteme, während sie in der abluminalen fehlen.

Das Membranpotenzial der BHS hat einen sehr hohen elektrischen Widerstand von 1.500–2.000 Ohm pro cm2. Im Vergleich dazu beträgt der Widerstand der mesenteralen Kapillaren nur 1–2 Ohm pro cm2. Auch die An- zahl der Mitochondrien der Endothelzellen des Gehirns ist besonders hoch. Sie liegt um das Fünf- bis Zehnfache höher als in anderen Geweben. Die hohe Zahl an Mitochondrien, der hohe Blutdurchfluß und der hohe elektrische Widerstand der Membransysteme verdeutlichen, weshalb unser Gehirn auf Sauerstoff- und Energiemangel und auf toxische Stoffe so empfindlich reagiert. Sowohl der aktive als auch der passive Transport hängen wesentlich vom Elektrolythaushalt, pH-Milieu, den enzymatischen Bedingungen und dem Sauerstoffpartialdruck ab. Die elektro-chemische Reduzierung des Membranpotenzials, etwa durch Ungleichgewichte der Elektrolyte, hat für die Schrankenfunktion der tight junctions in der BHS ähnlich fatale Auswirkungen wie für diejenigen der Darmschleimhaut, ist aber im Gehirn weitaus elektrolyt-sensibler als im Darm.

Der Stoffaustausch in beiden Organsystemen wird in beide Richtungen behindert respektive für neurotoxische Stoffe in Richtung Zelle und Zellsubsysteme erleichtert, wenn die Spannung abfällt.

Ein Umstand, der etwa bei einer EDTA-Chelattherapie zu denken geben sollte, die ja eine regelrechte Ausdünnung des Elektrolythaushalts nach sich zieht. Der Glaube, eine Nährlösung in Anlehnung an Holländische Tomatenbauern würde hier Abhilfe schaffen, ist in meinen Augen naiv. Ein aktiver Transport an der BHS, wie er noch vor wenigen Jahren als ausgeschlossen galt, kann nur unter einem sehr hohen enzymatischen und energetischen, pH-Milieu und Elektrolyte stabilisierenden Aufwand aufrechterhalten werden. Deshalb empfehle ich, eine Entgiftung grundsätzlich durch aktive zellstimulierende und zellregulierende Maßnahmen durch Mikroenergietherapie oder ähnliche Systeme mit elektrischen Heilströmen zu begleiten.

Das mehrstufig geregelte Sicherheitssystem der BHS gilt insbesondere für wasserlösliche Substanzen (hydrophile), während es fettlösliche (lipophile) relativ einfach passieren läßt. Ein solches Schrankensystem hat Vorzüge, was etwa fettlösliche Vitamine oder andere lipophile Substanzen anbetrifft, während es hydrophilen Substanzen wie Glukose oder Vitamin C bzw. solchen des B-Komplexes nur durch spezielle Transportsysteme Einlaß gewährt. Unglücklicherweise gilt diese höhere Diffusionsfähigkeit aber auch für alle fettlöslichen Gifte wie Nikotin, Heroin oder organisches Quecksilber.

 

1.3.2. Die drei Phasen der Biotransformation

Die Entsorgung von toxischen Substanzen in biologischen Systemen von Säugern erfolgt grob betrachtet in einer dreistufigen Prozessfolge, die als Vorgang der Biotransformation bezeichnet wird. Es sind dies:

  • Phase-I-Reaktion: Aktivierung und Funktionalisierung der Verbindung
  • Phase-II-Reaktion: Konjugation der in Phase I aktivierten Verbindung mit zumeist hydrophilen, geladenen Molekülen
  • Phase-III-Reaktion: Bindung der hydrophilen Substrate an Transporter und Überführung in den Blutkreislauf zur Ausscheidung über Nieren, Darm oder Haut.Primäre Aufgabe der Phase-I-Reaktion (Funktionalisierung) ist die chemische Modifikation des Substrats durch Oxidation, Reduzierung oder Einbau einer funktionalen Gruppe z. B. durch Hydrolyse mit dem Ziel, das Substrat in seiner Wasserlöslichkeit zu steigern, potenziell schädliche biologische Aktivitäten zu deaktivieren und es zugleich für die Phase-II-Reaktion (Konjugation) vorzubereiten. Die Enzymgruppen, die in Phase I katalytisch aktiv sind, werden als Oxygenasen bezeichnet und weiter in die Gruppen der Di- und Monooxygenasen (MO) unterteilt. So spielt z. B. die Tryptophan-2,3-Di-Oxygenase bei Stoffwechselstörungen des Gehirns eine wichtige Rolle. Die bekanntesten unter den MO bildet die große Gruppe der der Cytochrom-P450-Isoenzyme, von denen es mehr als hundert verschiedene Typen mit diversen Unterfamilien gibt. Sie sind im endoplasmatischen Retikulum lokalisiert und finden sich hochkonzentriert in den perivenösen Hepatozyten der Leberläppchen, in der Blut-Hirn-Schranke, aber beispielsweise auch in der Nierenrinde, wo sie der Biosynthese von Steroidhormonen dienen. Die Enzyme der Cytochrom-P450-Familien sind weniger substratspezifisch und zeichnen für einen Großteil der Entgiftungsreaktionen bei der Umwandlung lipophiler in hydrophile Substanzen verantwortlich. Bei einigen Katalysierungsvorgängen mit MO entstehen jedoch toxische Zwischenprodukte, die weitaus gefährlicher sind als das Ausgangsprodukt selbst, was eine Entgiftung massiv unterlaufen kann. Einige der an der Biotransformation beteiligten Enzyme, z. B. die Glutathion-S-Transferasen, weisen zudem eine gehirnspezifische Isoform auf. Durch die chemische Modifikation zur Erhöhung ihres hydrophilen Charakters können Toxine die BHS mit Hilfe solcher Enzyme leichter überwinden und müssen gebunden und neutralisiert werden, bevor sie das Gehirn erreichen. Dabei ist zusätzlich zu beachten, dass das Gehirn aufgrund seiner hohen Stoffwechselaktivität auch eine erhöhte Glutathion-Aktivität zur Reduzierung von Sauerstoffradikalen aufweist.Die Kaskade an enzymatischen Reaktionen der Biotransformation von Giften im Säugerorganismus hat weitreichende Konsequenzen.
    Die grobe Dreiteilung darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß viele Zwischenschritte, etwa bei den Cytochrom-P450-Reaktionen, noch nicht vollständig erforscht sind und Mangelzustände mit Auswirkungen auf die Elektrolyte, das pH-Milieu sowie die individuelle Nährstoffsituation hinzukommen. Entsprechend begegnen wir einer Reihe von zum Teil heftigsten Entgiftungsreaktionen oder Mobilisierungskrisen, verteilt über die ver- schiedenen Barrieresysteme, Ausleitungsebenen und Kompartimente, die der Grundvergiftung nicht unähn- lich sind, aber bei Einleitung von Entgiftungsmaßnahmen an Virulenz zunehmen.Ich möchte diese Reaktionen im Folgenden etwas systematisieren:

    • ZNS: Tremor, Wortfindungsstörungen, Migräne, Kopfschmerz (TCM: »aufsteigendes Leberfeuer«, Schulmedizin: astrocyte swelling mit Überlastung der Ammoniakentgiftung im Gehirn)
    • Serum: Schüttelfrost, Fieber durch erhöhte Virulenz der Plasmatoxinbelastung
    • Gefäße: Venenbrennen, Vaskulitis
    • Skelettmuskulatur: Krämpfe aufgrund von Elektrolytmangel und Toxinbelastung, Muskelschmerzen
    • Nieren: Nierenschmerzen, Brennen beim Wasserlassen, Urethritis
    • Gastrointestinaltrakt: Bauchkrämpfe, Durchfall (Verkürzung der Darmpassage als natürliche Gegenreaktion), Verstopfung, Kolitis
    • Mastdarm: Hämorrhoiden, Fissuren, Proktitis
    • Lunge: Husten, Asthmaanfälle, respiratorische Infektionen (oft reicht die Darmentgiftung nicht aus und führt zu Belastungen der Lunge)
    • Haut: Akne, Juckreiz, Rötung und Schwellung (Gallensäuren), Furunkel – auch hier ist die Darmentgiftungsfähigkeit entscheidend. In diesen Fällen ist die Bindekapazität zu gering und die AOK unzureichend, d.h. pH-Milieu stabilisierende, darmsanierende, nierenunterstützende sowie leberprotektive Maßnahmen müssen erweitert werden.

     

     

    2. Verschiedene Ausleitverfahren

    Bei der Charakterisierung verschiedener Mittel und Verfahren muß zunächst zwischen (1) Lösung, (2) Öffnung von Transportwegen, (3) aktivem Transport und (4) Bindeeigenschaften gegenüber Noxen unterschieden werden. Eine letzte Frage dreht sich schließlich um den Reaktionsraum, in dem das jeweilige Mittel aktiv sein kann. Ist es serumgängig und / oder zellwandgängig oder »nur« darmaktiv? Überwindet es die BLS / BHS und ist es auch für eine Knochenausleitung geeignet? Die Fülle dieser Fragen kann in einem Überblick natürlich nicht vollumfänglich beantwortet, sondern nur in Stichpunkten zusammengefasst werden. Details mögen an anderer Stelle folgen.

     

    2.1. Der Klassiker: Bärlauch-Koriander-Tinktur und Chlorella-Algen

    Ich habe mit diesem nährstoffbasierten Ausleitverfahren selbst viele Jahre erfolgreich gearbeitet, bevor ich einfachere und in der Kombination wirksamere Verfahren kennengelernt habe. Trotzdem hat die Klinghardt- Methode ihren Charme nicht verloren. Sinn und Zweck dieses mehrstufigen Verfahrens ist zunächst die Öffnung der Ionen gebundenen Membransysteme für die erleichterte Diffusion sowie die Koppelung von Thiolgruppen mit den Noxen durch eine Bärlauch-Koriander-Tinktur. Koriander, ein vor allem in der Thai-Küche und in Mexiko verwendetes Kräutergewächs, ist erfahrungsgemäß ein effektives Therapeutikum für die Initiierung der Ausleitung von Quecksilber und Aluminium auch und gerade im ZNS, selbst wenn dies nach gängigen Kriterien der Schulmedizin nicht »bewiesen« werden kann. Koriander, dessen Wirkung offensichtlich auf der Grundlage von Bioflavonoiden erfolgt, öffnet allerdings lediglich die Ionenkanäle der Membranen für die erleichterte Diffusion, ohne Noxen selbst zu transportieren oder zu binden. Entscheidend für den passiven Transport ist daher der Ladungsgradient der Membransysteme zwischen den Kompartimenten des EZR und des IZR. Ersterer muß eine geringere Toxizität aufweisen als der IZR, um den Transport über das Ladungsgefälle der jeweiligen Matrix hinweg zu ermöglichen.

    Je niedriger der Sättigungs- und damit Ladungsgrad im EZR, desto einfacher die Ausschleusung. Eine Reinigung des Pischinger-Raums sollte hier also vorgeschaltet werden oder parallel erfolgen.

    Bärlauch liefert, wie viele andere bioverfügbare Schwefelgruppen (MSM oder rohes Lauchgemüse), Thiolgruppen, die in der Lage sind, Schwermetalle an sich zu binden. Neben diesen beiden Tinkturen braucht es noch das Bindemittel zur Eliminierung der Noxen über den Darm. Verwendet wird dazu die Süßwasseralge Chlorella pyrenoidea, die im Vergleich zu Chorella vulgaris einen höheren Gehalt an dem für die Bindung verantwortlichen Wirkstoff Sporopollenin enthält. Die Vorteile von Chlorella sind zahlreich: Bindung nicht nur von Schwermetallen, sondern auch von anderen Noxen. Es enthält die bioverfügbare Form von Vitamin B12, Methylcobalamin, sowie zahlreiche Mineralstoffe und Spurenelemente und stimuliert darüber hinaus den TH1-Weg in der Immunabwehr. Bei diesem Verfahren können jedoch auch verschiedene Probleme auftreten:

    • Ist die Giftbelastung im EZR zu hoch,kann aufgrund des fehlenden Ladungsgefälles die erleichterte Diffusion trotz Öffnung der Ionenkanäle ihre Wirksamkeit nicht entfalten.
    • Ist die Ausleitmenge höher als die Bindekapazität der Algen (schwierige Dosierung),besteht die Gefahr einer intestinalen Rückresorption.
    • Chlorella-Algen sind»nur«darmaktiv, also weder serum- noch zellwandgängig, so dass neben der Gefahr der intestinalen Rückresorption noch die Gefahr freier Noxen im Serum besteht, die dann der Niere zugeführt werden, wo sie durchaus das Nierengewebe schädigen können.
    • Schwermetall-affine Pflanzen haben natürlicherweise eine hohe Affinität zu Giften,so dass die Reinheit der Algen wichtig ist, um beispielsweise den häufig bei Chlorella-Algen getesteten, hohen Arsengehalt zu vermeiden. Weitere Einschränkungen dieses Verfahrens liegen darin, dass keine Ausleitung höherwertiger synthetischer Noxen wie polychlorierte Biphenile oder Radioaktivität möglich ist. Auch eine Knochenausleitung ist nicht möglich. Die Einnahmeroutinen sind zumindest für ältere Menschen etwas kompliziert (Wechsel von Tinktur, Ausleitpausen und Chlorella-Dosierung). Bei höheren Algendosierungen können zudem allergische Reaktionen erfolgen. Kontraindiziert ist Chlorella wegen seines Jodgehaltes bei Schilddrüsenerkrankungen und Störungen der Eisenverwertung und zu geringem Transferrin wegen seiner Eisen bindenden Eigenschaften.

    2.2. Die halben Sachen: Bioresonanztherapie

    Militärs in aller Welt wussten es schon immer: Marschmusik erhöht den Pulsschlag und damit die Blutzirkulation, die wiederum natürlicherweise zur Entgiftung beiträgt. Sie wirkt wie bei erhöhter Bewegungsleistung als wichtiger Aktivator von Blut- und Lymphfluß. Die zellstimulierende Grundwirkung ist auch die Basis der Bioresonanztherapie. Aufgrund der aufgezeigten biochemischen Reaktionsschritte muß von einer alleinigen Verwendung dieses Verfahrens bei stark vergifteten Personen jedoch dringend abgeraten werden. Der Glaube an den einzigen und allmächtigen Geist von Schwingungen kann durch die Wirkmacht des Faktischen (Geist in seiner materiell verdichteten Form) sehr schnell zur Ernüchterung führen, vor allem wenn der berüchtigte »Verschiebebahnhof« von Toxinen in tiefere Gewebe und ins Gehirn erfolgt. Das gilt im übrigen auch für die zahlreichen Diäten auf dem Markt, die nicht berücksichtigen, daß sie beim Fettabbau als katabolen Prozeß ziel- und planlos Gifte lösen oder hoffen, daß es der Herrgott schon richtet.

    Als unterstützende Maßnahme sind Bioresonanzverfahren, ähnlich wie Akkupunktur und andere zellaktivie- rende Methoden, jedoch hervorragende Instrumente, eine Entgiftung zu begleiten. Langwierige Ausleitungsprozesse können auf diese Weise nicht invasiv erheblich verkürzt werden.

    2.3. Die Gefährlichen: EDTA, DMPS, DMSA

    Alle Chelatbildner (vom griechischen Wort chelus für »Klaue«) binden Metallionen, was Sinn und Zweck der Übung ist. Daher sind verschiedene Parameter für ihre Bewertung und ihren Einsatz entscheidend. Dies gilt zunächst unabhängig davon, ob sie eher hydrophil oder lipophil und damit Blut-Hirn-Schranken-gängig (BHS) sind. Als wichtigstes Kriterium für die Bindeeigenschaften gilt neben der Bindefestigkeit die Reihenfolge der Bindung, da auch Mineralien und Spurenelemente metallisch sind, diese aber für die Aufrechterhaltung eines stabilen Membranpotenzials besonders an der sensiblen BHS erforderlich sind. Entscheidend ist daher die Frage, ob Chelate innerhalb des Periodensystems eher in aufsteigender Reihenfolge binden, wie das für die Chelate der EDTA, DMPA oder DMPS gilt, oder ob sie in der absteigenden Reihenfolge des Molekulargewichts binden, wie im Fall der niedermolekularen Pektine (Mikropektine wie PektiClean), die zuerst Schwermetalle und molekular höhergewichtige Noxen binden. Im ersten Fall werden zunächst wertvolle Mengenmineralien und Spurenelemente abgebunden und eliminiert, lange bevor überhaupt die erste Noxe gebunden wird, was i. d. R. eine massive Beeinträchtigung und Störung des Elektrolythaushalts zur Folge hat. Mit bedrohlichen Auswirkungen auf den Entgiftungsprozeß. Die allgemein anhaltende Kritik an diesen Ausleitformen ist für mich daher mehr als berechtigt und sollte nicht nur über die Ängste seitens der Patienten Gehör finden.

    Ein weiterer Aspekt ist die Bindefestigkeit, d. h. die Möglichkeit, daß sich Chelate unter bestimmten physio- logischen Bedingungen wie azides pH-Milieu, Glukose- und Eiweißgehalt, Osmolarität, glomerulärer Filtrationsdruck etc. im Nierengewebe lösen und zur Ausfällung der Gifte führen, deren mögliche Langzeitschäden keinesfalls durch die üblichen Blutanalysen sofort erkannt werden können. Das gilt auch für mögliche, nicht- physiologische bakterielle Einwirkungen und pH-Milieus im Darm.

     

    EDTA (Ethylen-Diamin-Tetraessigsäure-Anion)

    EDTA kann neben den beiden freien Elektronenpaaren eines Stickstoffatoms noch vier Carboxylgruppen für eine Komplexverbindung zur Verfügung stellen, sich also sechsfach an ein Kation binden. Auf diese Weise vermag es relativ stabile Komplexe auch mit solchen Kationen zu bilden, die wie beispielsweise Kalzium eine äußerst geringe Tendenz zur Bildung von Komplexen haben. Die freie Säure ist schlecht löslich, vor allem bei niedrigem pH-Wert, die Salze dagegen sehr gut in Wasser, nicht aber in Fett. Damit ist dieses Verfahren für eine ZNS-Entgiftung nicht geeignet, da EDTA die BHS nicht passieren kann. Daß EDTA zunächst wertvolle Salze eliminiert, ist eines ihrer zentralen Probleme. EDTA bildet nämlich neben Kalzium noch besonders stabile Komplexe mit Cu, Ni, Fe, Co und Zn. Dies kann auch durch die Gabe simpler Nährlösungen nicht kompensiert werden und führt zu einer elektro-chemischen Entleerung, die u. a. auch die zahlreichen Nebenwirkungen und Kontraindikationen erklären. Besonders für den hohen elektrischen Widerstand der Membransysteme der BHS bedeutet dies ein Inferno.

    Das EDTA-Verfahren wurde in den 1960er-Jahren im Zuge akuter Bleivergiftungen als Notfallmaßnahme entwickelt – und (nur) da gehört es meines Erachtens auch hin. Viele naturheilkundlich arbeitende Therapeuten beklagen sich immer wieder über die Übertragung von unfall- und notfallmedizinischen Therapieverfahren seitens der Schulmedizin auf chronifizierte Prozesse – und hier tun wir genau das Gleiche. Im Notfall mag manches Risiko hinnehmbar sein, in der Behandlung von chronischen Erkrankungen ist dies nicht der Fall, zumal es effizientere, ungefährlichere und noch dazu nicht invasive Verfahren gibt. Zwischenfälle mit Todesopfern sind angeblich nur in den Anfangsjahren und in der Zeit der Dosierungsfindung zu verzeichnen. Sehen wir uns diese angeblich »ungiftige und risikoarme« Infusion einmal näher im Hinblick auf registrierten Zwischenfälle, ihre anerkannten Nebenwirkungen und ihre Kontraindikationen an:

    • Zwischenfälle: Hypokalziämie mit Tetanie, allergische Reaktionen bis zum anaphylaktischen Schock, Nierenversagen, Herzrhythmusstörungen, Knochenmarkdepressionen, nekrotisierende Injektionswunde
    • Nebenwirkungen (siehe mein Schema der Mobilisierungskrisen bei unzureichenden Ausleitverfahren): Frösteln, auch noch sechs bis acht Stunden nach der Infusion, bis hin zu Temperaturanstieg und Schüttelfrost, geringfügige Herzschmerzen, Brennschmerz an der Infusionsstelle und fortgeleitet im Arm, Venenbrennen, Schwindel, Gliederschmerzen, Rückschmerzen, Durst, Gewichtsabnahme, Müdigkeit, Herpesbläschen, Migräne, Kopfdruck.
    • Kontraindikationen: Nieren- und Leberfunktionsstörungen (nicht nur schwere), Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen

      Das geläufige Wort vom berühmten »Verschiebebahnhof« bei vielen Entgiftungsaktionen und die massive Gefahr einer erhöhten toxischen Belastung des Gehirns wird hier biochemisch greifbar.

      Um die Entstehung dieser hochtoxischen Metabolite aus der Funktionalisierung der Phase I zu verstehen, muß man die Oxidation als katalytische Reaktion von MO wie Cytochrom-P450 von einer Oxidase-Reaktion abgrenzen, da diese hier abweichend von ihrer allgemeinen Bedeutung verwendet wird: Während normalerweise kein Sauerstoffatom übertragen wird, ist es bei der Oxidation von Oxygenasen gerade umgekehrt. Sie sorgen dafür, dass auch Sauerstoffatome oder, wie bei der MO, ein Sauerstoffatom in das Substratmolekül eingebaut werden / wird, während das andere durch Wasserstoff reduziert wird. Dadurch entsteht ein Zwischenprodukt, das hochreaktiven atomaren Sauerstoff enthält und das selbst verstärkt in der Lage ist, andere Substanzen zu oxidieren. Wir erleben diese Vorgänge in der täglichen Praxis als Teil von so genannten Erstreaktionen. Um sol- che Reaktionen zu puffern und den Organismus vor der zelltoxischen Wirkung solcher Metabolite zu schützen, bedarf es wichtiger Co-Faktoren bei der Entgiftung wie Antioxidantien, Spurenelemente und Mineralien.

      Ohne ausreichende antioxidative Kapazität (AOK), Säure-Basen-Regulation und die gezielte Öffnung der Ausscheidungswege (dazu gehört neben der Darmsanierung vor allem auch die pH-Milieu-Steuerung der Niere) sollte eine Entgiftung daher nicht eingeleitet werden.

      Nach der Vorbereitung durch Aktivierung und Funktionalisierung in Phase I erfolgt die Konjugation des Substrats durch seine Verknüpfung mit einer polaren Substanz in der Phase-II-Reaktion. Eine solche Koppelung kann als Glucuronidierung (Glucuronsäure), als Sulfatierung (Schwefelsäure), als Acetylierung (Essigsäure) oder über Aminosäuren wie Taurin, Glycin oder Peptide wie Glutathion erfolgen. Ziel der Phase II ist die Verstärkung der Hydrophilie und die weitere Verminderung der Toxizität und damit die Vorbereitung für den letzten Schritt, die Phase-III-Reaktion, in der die eigentliche Eliminierung der wasserlöslichen Substanz durch spezifische Transporter oder Carrier-Systeme erfolgen soll. Die Noxen werden im Idealfall über ATP-abhängige Effluxpumpen in den Blutkreislauf überführt, wo sie dann über Lunge, Nieren, Darm und Haut zur Ausscheidung gelangen können. Auf diesem Weg aber lauern weitere Gefahren. Die gefährlichste unter ihnen ist neben der bereits gehirnspezifischen Problematik die Gefahr des Ausfällens von Schwermetallen und anderen Noxen ins Nierengewebe. Sie müssen daher mit Hilfe spezieller, fest bindender Ausleitmittel fixiert werden. Aufgabe solcher Noxen-Carrier-Systeme ist es, die Endsubstrate fester zu binden, als dies normalerweise über die Phase-II Konjugation der Fall ist. Der einzige, der bislang darauf aufmerksam gemacht und dies von Anfang an mit Hilfe der Chlorella-Alge in seine Ausleitverfahren integriert hat war Dr. Klinhardt. Die weniger gefährliche, aber immer noch besorgniserregende ist die der Rückresorption über die Darmschleimhaut aufgrund ihrer Dekonjugation durch bakterielle Aktivitäten im Darm sowie die mit dem Darm funktional zusammenhängende Lungenentgiftung. Um die Rückresorption über die Pfortader und das Ausfällen der Endprodukte aus Phase II in den Nieren zu verhindern, müssen für den geordneten Ablauf der Phase-III-Reaktion (Eliminierung) geeig- nete Bindestoffe verabreicht werden.

Zur Negativbilanz im Hinblick auf die primäre Bindung von wertvollen Alkali- und Erdalkalimetallen, die in eingeschränkter Form auch für DMSA und DMPS gilt, kommt noch die relativ geringe Bindekraft dieser Komplexbildner. Bevor Chelate also Quecksilber binden, ist der Mensch nicht nur elektrolytisch »leer«, er ist auch der Gefahr des Ausfällens von Toxinen im Nierenparenchym ausgesetzt. Die Verabreichung von NaMg-EDTA als Mineralsubstitution, d. h. eine Elektrolytlösung, ist aus meiner Sicht nicht ausreichend. Ohne volle Speicher physiologischer Kationen ist eine EDTA-Infusion von vorneherein kontraindiziert. Die Substitution muß noch vorher erfolgen und labortechnisch aufwendig überwacht werden. Hinzu kommt eine ebenso aufwendige Verlaufskontrolle der Nieren, bei denen meines Erachtens auch Cystatin C für die glomeruläre Filtrationsrate nicht genügt. Ein solcher Befund ist angeblich auch bei leichten Nierenschädigung als Marker geeignet, zeigt sich jedoch auch bei Rheuma und Hypothyreose erhöht. Da EDTA ein ausgesprochener Kalziumfresser ist, kann es ohne vorherige Substitution sogar zu einem Herzstillstand kommen (Cardioplegie). Außerdem: je saurer das Milieu, desto geringer ist die Bindungsaffinität von EDTA, d. h. es raubt wertvolle Basen, bindet aber nur unter alkalischen Bedingungen – ein Teufelskreis. Aus deutlich sauren Kompartimenten (pH <6,5) läßt sich mit den genannten Chelatoren kaum entgiften. Wie aber soll das bei meist sauerer Stoffwechsellage von vergifteten Patienten gehen? Liegt der (post-) glomeruloläre pH unter 6,5, dann droht aufgrund der schlechten Bindekraft von EDTA, DMPS und DMSA die verfrühte Freisetzung der gebundenen toxischen Kationen ins Nierenparenchym. Und welcher toxisch belastete Mensch leidet nicht zugleich unter aziden, oft auch renal aziden Störungen? Hinzu kommt, daß die so genannte Nierensperre erst ab pH 4-4,5 einsetzt. Um eine solche azide Situation ex ante zu umschiffen, erhöht die Niere die Glutaminase, um über zusätzliche Ammonium- Ionen das Gewebe zu alkalisieren. Das kann eine sekundäre Azidose bei renal verursachter Verlustalkalose nach sich ziehen. Zur Kompensation aber verringern die Nieren vorübergehend die Harnstoffausscheidung, ähnlich wie beim Hungerstoffwechsel, so daß dies zu einem Stau in der Ammoniak-Entgiftung der Leber führt, die, ihrerseits überlastet, das Ganze über den Blutkreislauf abgibt (Kältegefühl, Fieber), wo »das aufsteigende Leberfeuer« (TCM) an das Gehirn weitergeleitet wird. Bei der Ammoniak-Entgiftung über den Harnstoff-Zyklus und Glutaminase arbeiten Leber und Nieren eng zusammen. Unser Gehirn, das vergleichsweise wenig Kapazitäten für die Ammoniak-Entgiftung aufweist, ist das erste Organ, das unter einem auch nur leicht erhöhten Ammoniakspiegel leidet.

Das Ganze steht und fällt also mit dem pH-Wert-abhängigen kolloid-osmotischen Druck im Nierenparenchym. Und welcher chronisch kranke Patient hat vollkommen intakte Leber und Nieren?

Das bedeutet jede Menge Kontraindikationen: Glomerulonephritis; Diabetiker, bei denen die Glukoselast zu hoch ist, wodurch ebenfalls der kolloid-osmotische Druck und damit die Gefahr der nephrotoxischen Rückresorption steigt; Proteinurie: auch hier steigt der kolloid-osmotische Druck aufgrund der Eiweiße und damit die Gefahr einer Reintoxikation des Nierenparenchyms wegen der sehr losen Chelatbindung. Ein durch pH-Milieu entsprechend ungünstiges Ladungsgefälle kann zur Anreicherung von Schwermetallen in den Tubuluszellen und damit zu einer intrazellulären Schwermetallvergiftung führen, die vielleicht erst Jahre später bemerkt wird. Elektrolytmangel, Anämien, Leber- und Nierenerkrankungen stellen ebenfalls eine klare Kontraindikation für EDTA-Entgiftungen dar. Ich persönlich kenne nur wenige Therapeuten, die einen solchen Aufwand in der Verlaufskontrolle betreiben, wie er für diese Verfahren geboten ist.

DMPS (Dimercapto-Propan-Sulfonsäure)

DMPS ist ein schwefelsaures Salz mit freien SH-Gruppen, die gewisse Schwermetalle, aber eben auch »positive« Metalle im Periodensystem wiederum aufsteigend binden (= Kupfer, Zink und Eisen vor Quecksilber), d. h. es erfolgt auch hier eine starke Entmineralisierung. Es wird wie EDTA in der Regel intravenös gegeben, ist verschreibungspflichtig und kann bei verminderter Wirkung auch oral eingenommen werden. Für zerebrale Be- reiche ist es schlechter geeignet, da es hydrophil ist und die BHS nicht passieren kann. Es wirkt nur extrazellulär, kommt also nicht an Metalle in den Zellen heran. Außerdem ist wie bei EDTA keine Knochenentgiftung möglich. Ebenfalls besteht eine hohe Toxizität für Leber und Niere, d. h. wenn überhaupt ist eine Entgiftung nur bei gesunden Nieren therapeutisch zu verantworten. Das gleiche gilt natürlich für die Risiken einer aziden renalen Situation, erhöhten Glukosewerten im Harn und Proteinurie. Allergische Reaktionen wie bei EDTA, allerdings in abgeschwächter Form, sind bekannt.

DMSA (Dimercapto-Bernsteinsäure)

DMSA ist im Gegensatz zu den anderen beiden Chelaten lipophil, was bei Vergiftungen im zerebralen Bereich von Vorteil sein kann. Seine Schwefel-Enden binden allerdings in erster Linie Hg, weniger andere Schwerme- talle. DMSA ist weniger toxisch als DMPS und wird auch bei organischen, fettlöslichen Quecksilberverbindungen (Methylquecksilber) eingesetzt. Aufgrund seiner geringeren Toxizität hat es auch eine geringere allergene Potenz. Auch die Metallaffinität ist positiver als bei DMPS: Cd-Pb-Fe-Hg-Zn-Ni, d. h. die Quecksilberbindung erfolgt bereits recht zügig, wobei große Probleme im Bereich von Eisen resultieren. Ansonsten gilt für seine Bindefestigkeit und die Gefahr des Ausfällens ins Nierenparenchym das Gleiche wie für seine beiden Kollegen. Die »Chelatindustrie« kennt diese Probleme seit vielen Jahren, kommuniziert sie aber nicht, weil wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen.

Es ist ein großer Unterschied, ob man durch Ausleitungsmethoden den für die Selbstregulation elementaren Elektrolythaushalt eines Patienten erst beeinträchtigt und ihn anschließend wieder aufbaut, oder ob man umgekehrt durch eine geeignete Kombination von Darmsanierung, Säure-Basen-Regulierung, Erhöhung der antioxidativen Kapazität, leberprotektiven Maßnahmen durch Reduktion der Aminostickstofflast usw. Entgiftungsmaßnahmen unterstützend flankiert.

 

2.4. Die Darmaktiven: Zeolithe und Chitin

Zeolithe

Zeolithe sind hochfunktionsfähige Bioregulatoren – insbesondere Klinoptilolith-Zeolith. Sie bestehen aus dem Grundbaustein SiO-Tetraeder, d. h. einem zentralen Siliziumatom und vier Sauerstoffatomen. Damit enthält es die beiden mengenmäßig häufigsten Elemente Sauerstoff und Silizium. Zeolithe sind weder serum- noch zellgängig, sondern ausschließlich für die Darmentgiftung gedacht. Sie enthalten neben Silikat auch noch Aluminium (Al), das aber nicht bioverfügbar, sondern fest gebunden ist, so daß es sich im Organismus nur unter extremen Bedingungen lösen kann. Es bedarf einer sehr hohen thermischen Einwirkung, um diese stabile Verbindung zu lösen. Häufig vorgebrachte Einwände gegen Zeolithe in Bezug auf Aluminium sind daher unbegründet. Allerdings ist bei Leaky-Gut-Syndrom von einer Verwendung von Zeolithen trotzdem abzuraten, da GALT-vermittelt (Gut Associated Lymphatic Tissue) eine Antigen-Antikörper-Reaktion gegen Aluminium hervor- gerufen werden kann, auch wenn dieses gebunden ist.

Zeolithe sind auf jeden Fall für die Schwermetallentgiftung im Darm eine sinnvolle Ergänzung.

Sie reichen aber wegen ihrer ausschließlichen Darmaktivität und ihrer weitgehenden Beschränkung auf Schwermetalle alleine nicht aus, um eine Ausleitung in allen drei Barrieresystemen sinnvoll zu gestalten.

 

Chitin

Eine relativ wenig bekannte, gleichwohl sehr interessante Substanz ist das farblose, zähe Biopolymer Chitin (griech. chito = »Unterkleid«, »Hülle«, »Panzer«), ein natürliches, im Chitinpanzer von Schalentieren vorkommendes Oligo-Glykoprotein, welches sich vom Chitin ableitet. Es kann auch aus einigen Pilzen aus der Ord- nung der Mucoraceen (z. B. Mucor rouxii, Absidia coerulea oder Rhizopus oryzae) gewonnen werden.

Chitin ist wie Kliniptilolith weder serum- noch zellwandgängig, sondern »nur« im Darm aktiv. Die Löslichkeit in Säuren und gleichzeitig schlechte Löslichkeit in neutralem oder alkalischem pH ist einzigartig unter den Biopolymeren und daher charakterisierend. Es wirkt also sowohl unter renalen aziden Bedingungen als auch und gerade im Darm unter aziden Bedingungen. Mit abnehmender molarer Masse ist Chitin auch in Wasser und sogar in Laugen löslich. Auf Grund seiner freien Aminogruppen verhält es sich in nicht alkalischer Lösung als Poly-Kation mit einer hohen Ladungsdichte.

In Bezug auf seine eigene Gesundheit scheint sich der Mensch ob der Folgen seiner solchen schleichenden Vergiftung nicht bewusst zu sein, obwohl Langzeitschäden durch solche Gifte wie Krebs, Alzheimer oder Multiple Sklerose längst im Fokus vieler Wissenschaftler stehen. Einer der Gründe für den laxen Umgang mit diesen Dingen liegt sicherlich in der Fähigkeit unseres Körpers, solche Systembelastungen über viele Jahre und Jahrzehnte metabolisch zu kompensieren. Der große Vorteil von Chitin ist seine Lipophilie, weshalb es insbesondere an Fette gebundene toxische Lösungsmittel im Darm zu binden vermag. Neben zahlreichen Fetten zielt es vor allem auf die lipophilen Noxen. Es ist ungiftig, antibakteriell, antiviral und antiallergen, was es auch bei Leaky-Gut-Patienten mit einer hohen Antigen-Antikörper-Reaktion gut im Darm einsetzbar macht. Des weiteren wirkt es koagulierend, blutstillend und fungizid, außerdem kann es zusätzlich Schwermetalle binden.

 

2.5. Die Multitalente: Niedermolekulare Pektine

Niedermolekulare Pektine (nP) oder Mikropektine sind eine verhältnismäßig junge Klasse von Chelaten biologischer Herkunft. Pektine kommen in vielen Pflanzen, Früchten oder Gemüsesorten vor und sind ein fester Bestandteil unserer Ernährung. Sie haben einen positiven Einfluß auf den Blutzucker- und Cholesterinspiegel und sind effektiv gegen toxische Belastungen. In der Natur kommen Pektine allerdings nur in Verbindung mit anderen Stoffen vor, weshalb sie dann als hochmolekulare oder Makropektine bezeichnet werden. Deshalb müssen für die therapeutische Anwendung niedermolekulare Pektine streng unterschieden werden von ihren »hochmolekularen Brüdern« aus Apfel, Ananas oder Zitrusfrüchten, die nur darmaktiv, aber nicht serum- und zellwandgängig sind wie die niedermolekularen Formen und somit eine eingeschränkte und geringere Wirksamkeit besitzen. Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal innerhalb der niedermolekularen Pektine ist ihr sehr unterschiedlicher Anteil an niedermolekularer Masse von 8 bis zu 60 %.

Niedermolekulare Pektine wirken als hochaktive polyanione Adsorbenten und können bei der Passage durch den gastrointestinalen Bereich Schwermetallionen, Gallensäuren und pathogene Mikroorganismen (einschließlich seiner direkten Hemmer) binden und eliminieren. Sie weisen darüber hinaus einen beträchtlichen Anteil an antidoten, cholesterinsenkenden, antibakteriellen, hepatoprotektiven, entzündungshemmenden und antiallergenen Aktivitäten auf. Beim Eintritt in den Blutstrom, in die Gewebe und Organe treten nieder- molekulare Anteile des Pektins in direkten Kontakt mit den Rezeptorstrukturen von Zellen (teilweise immun- kompetent), die wiederum reaktive Veränderungen im Status der Zellen induzieren. Bei Blutuntersuchungen in russischen Studien bezüglich der Wirkung von nP auf die Zellen konnten u. a. festgestellt werden: Stimulierung von T- und B-Zellen, Steigerung der Anzahl von Antikörper produzierenden Zellen, Intensivierung des verzögerten Typs der Hypersensibilität, Induzierung der spontanen Vermehrung von Splenozyten. Niedermolekulare Pektine üben offensichtlich auch einen hemmenden Effekt auf die Induktion und Formation von T- Suppressoren aus und scheinen die funktionale Aktivität von Suppressor-Zellen erhöhen zu können.

Die niedermolekularen Komponenten des Pektins können verschiedene schädliche Substanzen direkt in der Blutbahn binden und mit ihnen anschließend über Organe wie Leber und Nieren ausgeschieden werden.

Pektine selbst sind Polysaccharide, die mit bis zu 65 % ihrer Masse aus α-D-Galakturonsäure bestehen. Die aus dieser Verbindung resultierenden anionischen Ladungen entlang der Makromoleküle sind die Ursache ihrer hohen Bindungsfähigkeit für Kationen. Die polymeren Ketten bilden dabei eine Sequenz negativer Ladungen, die positiv geladene Exo- und Endotoxine binden. Sie sind darüber hinaus in der Lage, auch höherwertige synthetische Noxen und radioaktive Substanzen zu binden.

 

Vergleich zwischen hoch- und niedermolekularen Pektinen

Abb. 1: Hochmolekulare Pektine wie Apfel- oder Ananaspek- tin (dunkelgrüne Partikel) sind nicht in der Lage, die Zellwand zu diffundieren. Sie wirken daher »nur« im Darm. Aufgrund ihrer Größe ist die Oberfläche relativ klein, somit auch ihre Bindekraft geringer.

Abb. 2: Niedermolekulare Pektine (hellgrün Partikel) erzeu- gen eine extrem feste Bindung an eine polare Substanz. Sie wirken auch und gerade unter aziden renalen Bedingungen und »ohne Nierengewebe zu schädigen« (Burgerstein). Auf- grund ihrer geringen Größe können sie die Zellwand durch- dringen und haben eine relativ große Oberfläche, so daß die Bindekraft auch mengenmäßig um ein Vielfaches höher ist.Abb. 1: Hochmolekulare Pektine wie Apfel- oder Ananaspektin (dunkelgrüne Partikel) sind nicht in der Lage, die Zellwand zu diffundieren. Sie wirken daher »nur« im Darm. Aufgrund ihrer Größe ist die Oberfläche relativ klein, somit auch ihre Bindekraft geringer.

Abb. 2: Niedermolekulare Pektine (hellgrün Partikel) erzeugen eine extrem feste Bindung an eine polare Substanz. Sie wirken auch und gerade unter aziden renalen Bedingungen und »ohne Nierengewebe zu schädigen« (Burgerstein). Aufgrund ihrer geringen Größe können sie die Zellwand durch- dringen und haben eine relativ große Oberfläche, so dass die Bindekraft auch mengenmäßig um ein Vielfaches höher ist.

 

 

Das zu niedermolekularen Pektinen Gesagte bringt einige wesentliche Unterschiede zu den bisher genannten chemischen Chelaten:

  1. (1)  Niedermolekulare Pektine wirken auch und gerade unter aziden renalen Bedingungen. Sie entfalten dabei sogar ihr Wirkungsoptimum. Sie sind darüber hinaus winzig klein und haben eine entsprechend große Oberfläche, so dass ihre Bindekapazität um ein Vielfaches höher ist als bei hochmolekularen Chelaten
  2. (2)  Im Gegensatz zu vielen anderen Chelaten gehen sie eine extrem feste Bindung ein, die sich auch unter den genannten pathologischen Bedingungen in der Niere nicht löst und aufgrund ihrer Niedermolekularität problemlos durch die Nierentubuli geschleust werden kann. Da der Großteil über die Nieren eliminiert wird, können nP besonders bei Problemen des Darmtrakts bevorzugt eingesetzt werden. Und sie können aus meiner Erfahrung heraus auch effizient für eine Entgiftung des ZNS verwendet werden.
  3. (3)  Da die Bindung in absteigender Reihenfolge im Periodensystem erfolgt, schont es zudem wertvolle Alkali- und Erdalkalimetalle, so dass eine Kalzium-Substitution erst bei längerer Einnahme empfohlen werden muß. Neben einer Entgiftung des ZNS sind nP auch bei Radioaktivität und für die Knochenausleitung geeignet. nP haben darüber hinaus hepatoprotektive Eigenschaften durch ihre Fähigkeit enterohepatische Kreisläufe zu durchbrechen, indem sie die Kaskade der Biotransformation I bis III bereits auf Stufe I und II unterstützen. Lediglich unter stark alkalischen Bedingungen istdie Wirkung von niedermolekularen Pektinen eingeschränkt, weshalb eine zusätzliche Ballaststoffkomponente für die Darmentgiftung besonders bei Überbasung des Darms empfohlen wird, etwa infolge einer gestörten Proteolyse durch vergärende Eiweiße oder durch verstärkte Urease bestimmter Bakterien, die zur Harnstoffspaltung und Ammoniakrückgewinnung in der Lage sind.

 

3. Mein Königsweg: die Kombination von Master Amino Acid Pattern (MAP) und PektiClean mit Mikroenergietherapie (MET)

Bislang wurden Ausleitverfahren beschrieben, die allesamt eher passiven Charakter hatten, was die Zellaktivierung selbst betrifft – mit Ausnahme der Bioresonanztherapie. Das chemo-elektrische Membranpotenzial wird aber nicht nur durch die Elektrolyte und das pH-Milieu bestimmt, sondern auch noch durch Bewegung sowie durch Leitsignale der Umwelt wie Magnetfeld, Sonne etc., die dazu beitragen, die Körperelektrizität mit aufrechtzuerhalten. Wie wir gesehen haben, ist der Widerstand mit 2.000 Ohm pro cm2 in den Membransystemen der BHS extrem hoch, so daß es sich in der Praxis als ausgesprochen förderlich herausgestellt hat, diese »Body Electric«, wie Robert O. Becker, einer der Begründer der Mikrostromtherapie es nennt, durch körpereigene Heil- ströme zu unterstützen. Ich selbst habe eine Kombination aus mehreren ineinandergreifenden Bausteinen im Rahmen meines Stoffwechselpogramms der dr. reinwald metabolic regulation med.

 

Dazu gehören als wichtigste grundlegende Elemente die folgenden Bausteine:

  1. Mikro-Energie-Therapie zur Regeneration der Zellenergie
  2. Die Nutzung des einzigartigen Aminosäureprofil Master Amino Acid Pattern (MAP) zur Entlastung der entgiftenen Organe
  3. niedermolekulare Pektine wie PektiClean
  4. Darmsanierung
  5. Verbesserung der AOK mit minusgeladenem Wasserstoff (New-H)
  6. Isomedizinische Therapie nach Enderlein/Haefeli (Pilze-Schwermetalle-Pilzzerfallsprodukte)

Mikroströme mit der Mikro-Energie-Therapie (siehe dazu meinen Aufsatz MET – Grundlage einer Regulation von Zelle und Milieu). Mit MET können wir körperanaloge Heilströme induzieren (Steuerung- und Verletzungsstrom) und die ausleitenden Organe zusätzlich mit gezielt modulierten Organfrequenzen zur Zellstimulation öffnen und unterstützen sowie Schadstoffinformationen physikalisch überlagern. Die MET zielt auf die Aktivierung von Zelle und Milieu und damit auch auf die Verbesserung der Funktion von Organellen wie den Mitochondrien, was wiederum den Zellstoffwechsel selbst verbessert. Sie liefert Studien zufolge eine Steigerung der ATP-Produktion bis zu 500 % und ebenfalls eine Steigerung der Proteinsynthese bis 73 % sowie des Membrantransports bis 40 %. Werden solche Systeme kombiniert mit serum- und zellwandgängigen sowie darm- aktiven Substanzen, die verschiedene Noxentypen in verschiedenen Barrieresystemen erreichen (hier bieten sich nach den obigen Ausführungen die niedermolekularen Pektine, Zeolithe und Chitin an), dann steht einer erfolgreichen Unterstützung der entgiftenden Systeme, selbst im schwierigen Bereich des ZNS, aller Erfahrung nach nur sehr wenig im Wege.

3.1. Proteinstoffwechsel, Säure-Basen-Haushalt und Entgiftung

Einer meiner wichtigsten Bausteine bei einer Entgiftung ist die Entlastung der Leber von den Abbauprodukten aus dem Proteinstoffwechsel. Sie ist ein außerordentlich wichtiger Schlüssel zu einem schnellen und schonenden Erfolg. Im Gegensatz zu Fetten und Kohlenhydraten, deren vollständige Oxidation lediglich CO2 und Wasser erzeugt, produziert die Hydrolyse von Proteinen Aminosäuren bei ihrer vollständigen Oxidation neben CO2 und Wasser auch noch Bicarbonat (HCO-3) und Ammoniak (NH3) aus der Glutaminasereaktion. Ammoniak ist ein starkes Zellgift, das der Organismus unter hohem Energieaufwand entsorgen muss. Aus der Proteinoxidation entsteht auf diese Weise eine schwere alkalische Last für den Organismus. In den Körperflüssigkeiten kommt Ammoniak sowohl in der ionisierten Form als Ammonium (NH4+) als auch in der ladungsfreien Form als Ammoniak (NH3) vor. Die Säurestärke (pKS 9,25) von Ammonium ist sehr schwach, so dass unter physiologischen pH-Bedingungen ein großer Überschuss der ionisierten Form im Gleichgewicht von NH3 + H+= NH4+ im Plasma vorliegt. Das bedeutet konkret im Verhältnis von > 99% Ammonium und < 1% Ammoniak. Ammoni- ak kann mit Hilfe von Aquaporin (proteingebundene Wasserkanäle) leicht durch die Zellmembrane diffundieren und die Plasmakonzentration sollte unterhalb von 35 μmol/l liegen. Viele Labore geben fälschlicherweise höhere Werte an. Ammoniak wirkt jedoch in höheren Konzentrationen neurotoxisch. Eine Hyperammonämie kann zu einer Glutaminanreicherung in den Astrozyten und zu einem cerebralen Ödem führen.

Unser Organismus kennt zwei Hauptentgiftungswege, um die Entgiftung von Ammoniak zu bewerkstelligen: die Harnstoffbiosynthese und die Glutaminsynthese. Beide Stoffwechselwege sind in die hochentwickelte strukturelle und funktionale Organisation des Leberazinus eingebettet und zusammen mit den Nieren und der Lunge (sowie dem Bindegewebe) wesentlich für die Regulierung des Säure-Basen-Gleichgewichts verantwortlich. Wichtig dabei ist die Beachtung der hepatischen Zonierung, d.h. die unterschiedliche Lokalisierung der zwei Hauptwege der Ammoniakentgiftung.

Die Glutaminase findet in den periportalen Hepatozyten statt und übernimmt dabei eine wichtige Schrittmacherfunktion für den Harnstoffzyklus, weil sie durch die von ihr selbst ausgelöste Freisetzung von NH3 eine Eigenstimulierung erzeugt. Was in den Zonen 1 und 2 nicht in die Harnstoffbiosynthese überführt werden kann (hohe Kapazität bei geringer Affinität), wird zu den scavenger cells (»Ausputzer-Zellen«) in den perivenösen Hepatozyten transportiert, wo es bei hoher Affinität aber geringer Kapazität eine erneute NH3-Fixierung über die Glutamninsynthese, also eine Art Glutaminrecycling. Sie ist auf diese Subpopulation von Hepatozyten, die scavenger cells, am äußersten Rand der Zone 3 des Leberazinus beschränkt (distal), weil sie Ammoniak, der nicht über den Harnstoffzyklus (Z 1/2) entsorgt werden konnte, in einer Art »Endreinigung« auffangen und erneut in Glutamin fixieren, das dann zur Niere zur Weiterverarbeitung transportiert wird. Dort kann Aminostickstoff zur Regulierung des pH-Wertes der Nieren verwendet werden.

Die serielle Anordnung der zwei Hauptentgiftungswege für Ammoniak in den drei Zonen, bei der die enzymatischen Abläufe hintereinander- und parallel zugleich geschaltet sind, stellt ein lückenloses und äußerst sicher gestaltetes Entgiftungssystem zur Verfügung. Dieser interzelluläre Glutaminzyklus in der Leber und ihre Beteiligung an der SB-Homöostase wurden erst in den 1980er Jahren von der Schulmedizin biochemisch und physiologisch erkannt. Dabei fand innerhalb der Mainstream Medizin ein kleiner Paradigmenwechsel statt, indem man vom Zwei-Organ-Modell (Lunge-Nieren) zum aus meiner Sicht immer noch defizitären Drei-Or- gan-Modell (Lunge-Nieren-Leber) im Säure-Basen-Geschehen überging und die Leber in den Mittelpunkt des Säure-Basen-Geschehens stellte. Eine Entwicklung, die in den meisten Lehrbüchern für das Medizinstudium heute noch nicht erfasst ist. Die Rolle der Leber und des immer noch nicht erfassten Bindegewebes! für das Säure-Basen-Geschehen ist von dem Kliniker Prof. Dr. F. Sander jedoch bereits in den 1930er Jahren bzw. in seiner Monographie 1953 ausführlich vorgestellt worden. Es hat, bei allem Wohlwollen gegenüber dieser neueren Entwicklung und seinen Protagonisten, mehr als 50 Jahre gedauert, bis man zumindest die Rolle der Leber offiziell bei der SB-Homöostase verstanden hat. Man kann daher im Hinblick auf das SB-Geschehen und die Leber getrost von der »Entdeckung des Mittelmeers« innerhalb der Schulmedizin sprechen.

Die Entgiftung von Aminostickstoff durch die Leber ist nicht nur sehr energieaufwendig, sie verbraucht pro 1 mol erzeugtem Harnstoff (NH2CONH2) 3 ATP und eine energiereiche Phosphatverbindung. Darüber hinaus aber verbraucht sie auch noch 2 mol Bicarbonat. Damit eliminiert sie zur Beseitigung der hohen alkalischen Last aus dem Aminosäurestoffwechsel einen großen Teil der Pufferkapazität an Bicarbonat, das als »Sowohl- als-auch-Puffer« mit einer Säurestärke von 6,1 pKS sowohl als Säure als auch als Base reagieren kann. Die Harnstoffbiosynthese entsorgt im gleichen Verhältnis die Base Ammoniak (NH3) wie sie Hydrogencarbonat (HCO-3) verbraucht, so dass mit zunehmender alkalischer Last durch Aminostickstoff aus dem Proteinstoffwechsel auch eine zunehmende Reduzierung der Pufferkapazität erfolgt. Der Verlust an Bicarbonat kann i. d. R. durch die renale Rückresorption nicht vollständig ausgeglichen werden, so daß eine Verlustazidose entsteht. Hinter der Abwehr der gefährlichen Alkalose lauert also die Gefahr der metabolischen Azidose. Gleichzeitig ist die Leber in der Lage, auf die metabolische Alkalose und die metabolische Azidose im Zusammenspiel mit den Nieren zu reagieren. D.h. wir haben auf der einen Seite einen interhepatischen (Leberazinus Zone 1 bis 3) und auf der anderen Seite einen interorganischen (Leber-Niere) Glutaminzyklus. Bei einer metabolischen Azidose drosselt die Leber den Harnstoffzyklus, wodurch weniger Ammoniak entsorgt, dafür aber Bicarbonat eingespart wird. Im umgekehrten Fall der Alkalose wird der Harnstoffzyklus angekurbelt und Ammoniak unter erhöhtem Verbrauch von Bicarbonat entsorgt.

Die Entgiftung von Aminostickstoff durch die Leber ist nicht nur sehr energieaufwendig, sie verbraucht pro 1 mol erzeugtem Harnstoff (NH2CONH2) 3 ATP und eine energiereiche Phosphatverbindung.

 

Aufgrund des interzellulären Glutaminzyklus muß dieser Ablauf jedoch weiter differenziert werden in die Bereiche periportale und perivenöse Hepatozyten. Im Fall der Azidose führt die Absenkung des HZ im Bereich der periportalen Hepatozyten zur Einsparung von Bicarbonat und erhöhtem Ammoniak, das dann über die Glutaminsynthese im Bereich der perivenösen Hepatozyten (Z 3) erneut in Glutamin fixiert und zu den Nieren transportiert wird, wo es zur Freisetzung von Ammoniak und damit zur Alkalisierung bzw. zur Verringerung einer Azidose in den Nieren beiträgt. Umgekehrt drosselt die Leber die Glutaminsynthese unter alkalischen Be- dingungen und erhöht die Glutaminaseaktivität (Freisetzung von Ammoniak) in Zone 1 und 2 des Leberazinus. Die pH-Kontrolle erfolgt dabei über den Anstieg oder die Absenkung des extrazellulären pH. Eine Absenkung des extrazellulären pH um 0,1 vom physiologischen Wert inhibiert bereits die Glutaminase gesteuerte Ammoniakproduktion für die Harnstoffsynthese um 70%.

 

Interhepatischer und interorganischer Glutaminzyklus zur Ammoniakentgiftung

Interhepatischer und interorganischer Glutaminzyklus zur Ammoniakentgiftung

 

Abb. 3: Interhepatischer und interorganischer Glutaminzyklus. Glutaminsereaktion in den Zonen 1 und 2 des Leberazinus. Überführung des Löwenanteils an Aminostickstoff (NH3) in den Harnstoffzyklus. Transport von Harnstoff zur Ausscheidung zu den Nieren. Der dabei entgangene Aminostickstoff (niedrige Affinität der periportalen Hepatozyten bei hoher Kapazität) wird interhepatisch zu den perivenösen Hepatozyten im distalen Bereich von Zone 3 des Leberazinus überführt (hohe Affinität gegenüber Aminostickstoff bei niedriger Kapazität), wo die scavenger cells oder »Ausputzerzellen« NH3 über die Glutaminsynthese wieder in Glutamin überführen. Mit Glutamin als nicht toxische Transportaminosäure wird der gebundene Stickstoff zu den Nieren transportiert, wo die Glutamin erneut über die Glutaminasereaktion ihren Aminostickstoff zur Regulierung (Alkalisierung) des pH- Milieus in den Nieren freigeben kann.

3.2. Harnstoffzyklus und Cytochrom-P450-Entgiftung

Für unsere Überlegungen von besonderer Bedeutung ist nun die Einbeziehung anderer Entgiftungsmaßnahmen. Denn in den perivenösen Hepatozyten findet nicht nur die Glutaminsynthese statt und ist das Enzym Glutamin-Synthetase lokalisiert, sondern auch der Löwenanteil der CytP450-Familie. Werden Entgiftungsmaß- nahmen eingeleitet, entweder durch den Therapeuten oder durch den Biorhythmus des Organismus selbst, dann scheint es zu einer reduzierten Effizienz der Harnstoffbiosynthese zu kommen, indem die Leber die Entgiftung über die CytP450-Familie erhöht und den Glutaminzyklus zwischen periportalen und perivenösen Hepatozyten drosseln muß, da die Leber streng hierarchisch arbeitet. Offensichtlich steigt die Aktivität der Biotransformation im perivenösen Bereich zu Lasten der Glutaminsynthese, weshalb diese ihre »Ausputzer-Funktion« nicht in vollem Umfang aufrechterhalten kann. Im Gegenzug steigt der Ammoniakspiegel (Hyperam- monämie). Gleichzeitig wird die Glutaminase in den periportalen Hepatozyten zugunsten des Harnstoffzyklus erhöht, um die ausfallende Glutaminsynthese im perivenösen Bereich auszugleichen, was wiederum mehr Hydrogencarbonat verbraucht. Die Folge: der Ammoniakspiegel steigt. Da NH3 leichter durch die Zellmembran diffundieren kann, dringt es auch bei leichterer Hyperammonämie vermehrt in die Makrogliazellen der Blut- Gehirn-Schranke und verursacht dort Irritationen.

 

Die TCM spricht in solchen Fällen vom »aufsteigenden Leberfeuer«, die Schulmedizin von der Schwellung der Astrozyten (astrocyte swelling), der Patient von Migräne oder Kopfschmerzen. Die Ammoniakintoxikation ist Teil der Pathogenese der Hepatischen Enzephalopathie. Wird zusätzlich noch der Cori-Zyklus überlastet, bei dem die Leber einen Teil des über den Alanin-Zyklus gelieferten Laktats an das Herz weitergibt, welches in gewissen Grenzen in der Lage ist, Laktat für seinen Stoffwechsel zu nutzen, dann führt dies zusätzlich zu einer Laktatazidose mit Gefahr von Sauerstoffmangel (Herzkranzgefäße) oder sogar Infarkt. Die TCM nennt dies dann das »aufsteigende Herzfeuer«.

Die einzigen, die auf diesen Prozeß bislang, wenn auch auf falsche Weise, reagiert haben, waren die Fasten- anhänger. Sie haben die Proteinlast aus Nahrungsprotein reduziert. Damit aber haben sie den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben versucht. Denn die radikale Reduktion von Nahrungsprotein führt zu einem Energie- und Glutaminmangel und damit zu einer Reduzierung der renalen Ammoniumgenese, den der Körper nun aus körpereigenen Proteinvorräten auszugleichen sucht: zu Lasten von Magermasse (Skelettmuskulatur, Immun- masse, Organzellen). Der Proteinkatabolismus führt auf Dauer zu Auszehrung (Hungerstoffwechsel). In Verbindung mit der verstärkten Nutzung von Ketonkörpern für die Energieversorgung des Organismus besteht zugleich die Gefahr einer Ketoazidose, die durch gestiegenen Verbrauch an Bicarbonat über den erhöhten Harnstoffzyklus (endogener Proteinkatabolismus) und die reduzierte renale Ammoniumgenese zusätzlich verstärkt werden kann. Die Zufuhr von Nahrungsproteinen zur Gesunderhaltung ist daher unerläßlich. Und hier bietet die Verwendung von Master Amino Acid Pattern (MAP) eine große Chance, da wir damit in der Lage sind, die Entgiftungsorgane zu entlasten und zugleich eine hohe Proteinversorgung zu gewährleisten. MAP liefert Studien zufolge lediglich 1% an Stickstoffabfall und 99% an Nettostickstoffverwertung (NNU), im Gegensatz etwa zu Fleisch, Fisch und Geflügel mit durchschnittlich 32% bzw. pflanzliche Proteine mit maximal 18% NNU. Das bedeutet auf der anderen Seite zwischen 68% und 82% an Stickstoffabfall bei tierischen und pflanzlichen Proteinen. Da MAP darüber hinaus keine Verdauungsendprodukte produziert und komplett im Dünndarm ohne Peptidasen resorbiert werden kann, liefert es neben der Leberentlastung auch eine maximale Entlastung des Magen-Darm-Trakts. Mit MAP ist es uns möglich, die teilweisen Vorzüge des Fastens (reduzierte Last an Stickstoffabfall aus exogener Proteinzufuhr, reduzierte Belastung des Verdauungstraktes, reduzierte Belastung des Herz-Kreislaufsystems) mit einer gesunden und lebensnotwendigen Proteinversorgung zu kombinieren, indem wir dadurch die Gefahren des Fastens vermeiden, in den gefährlichen Hungerstoffwechsel zu geraten, wodurch eine optimale Entgiftung m. E. erst möglich wird.

Zum Abschluss darf ich noch an ein chinesisches Sprichwort erinnern, das die Öffnung der Ausscheidungswege von Darm und Nieren als vorbereitende Maßnahme an den Anfang stellt:

»Wenn du den Tiger aus dem Haus jagen möchtest, dann öffne vorher Fenster und Türen, bevor du ihm auf den Schwanz trittst.«

 

Literaturverzeichnis

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Hier als PDF zum Download: Systemische Entgiftung