Keiner käme auf die Idee, einen Heringssalat mit zwei Zuckerwürfeln anzurichten oder sich großzügig Zucker über die Pommes zu streuen. „Öko-Test“ hat versteckte Zucker in 34 Fertigprodukten aufgespürt und Täuschungsmanöver der Hersteller entlarvt. Wir zeigen fünf drastische Beispiele aus dem Test.

Auch herzhafte Fertigprodukte können Zucker enthalten - oft viel mehr, als Verbraucher vermuten. (Quelle: "Öko-Test")

Auch herzhafte Fertigprodukte können Zucker enthalten – oft viel mehr, als Verbraucher vermuten. (Quelle: „Öko-Test“)

Für Gesundheitsexperten ist Zucker ein süßes Gift, das diverse Zivilisationskrankheiten begünstigt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat kürzlich die empfohlene Tagesdosis Zucker für Erwachsene halbiert: von einst 50 Gramm auf 25 Gramm. Das sind rund acht Würfel. Die EU ist viel großzügiger und toleriert 90 Gramm als Referenzmenge.

Selbst wenn man nicht den strengen Wert der WHO zugrunde legt, strotzen viele verarbeitete Produkte vor Zucker. Der Grund ist banal: Zucker ist für die Lebensmittelindustrie ein billiger Geschmacksträger.

Die Tester kauften einen Querschnitt süßer und herzhafter Fertigprodukte: Frühstücksflocken, Milchprodukte, Pizza, Soßen, Konserven, Instantgetränke und Knabberzeug. Den im Labor ermittelten Zuckergehalt verdeutlicht „Öko-Test“ in der Mai-Ausgabe mit der entsprechenden Anzahl von Zuckerwürfeln.

Gesundheitsbewusste tappen hier leicht in die Falle: Die Buttermilch wird als fettarm und vitaminreich angepriesen. Aber in der 500-Gramm-Flasche stecken fast 60 Gramm Zucker. (Quelle: "Öko-Test")

Gesundheitsbewusste tappen hier leicht in die Falle: Die Buttermilch wird als fettarm und vitaminreich angepriesen. Aber in der 500-Gramm-Flasche stecken fast 60 Gramm Zucker. (Quelle: „Öko-Test“)

Die 220-Gramm-Packung "Meica Curry King" enthält 24,6 Gramm Zucker. (Quelle: "Öko-Test")

Die 220-Gramm-Packung „Meica Curry King“ enthält 24,6 Gramm Zucker. (Quelle: „Öko-Test“)

Mehr als Joghurt und Getreideflocken: Ein Becher "Danone Activia Cerealien" hat auch etwa 13 Gramm Zucker. (Quelle: "Öko-Test")

Mehr als Joghurt und Getreideflocken: Ein Becher „Danone Activia Cerealien“ hat auch etwa 13 Gramm Zucker. (Quelle: „Öko-Test“)

Gezuckerte Pommes? Nichts anderes ist Pommes mit Ketchup: Eine 30-Gramm-Portion "Gut & Günstig Curry Gewürz Ketchup" entspricht vier Würfeln Zucker. Auf die ganze Flasche hochgerechnet sind es 110 Stück. (Quelle: "Öko-Test")

Gezuckerte Pommes? Nichts anderes ist Pommes mit Ketchup: Eine 30-Gramm-Portion „Gut & Günstig Curry Gewürz Ketchup“ entspricht vier Würfeln Zucker. Auf die ganze Flasche hochgerechnet sind es 110 Stück. (Quelle: „Öko-Test“)

Nach Analyse von "Öko-Test" enthalten die "Schwedenhappen" von Lysell mehr Zucker als Salz, nämlich rund sechs Gramm in einer 75-Gramm-Portion. (Quelle: "Öko-Test")

Nach Analyse von „Öko-Test“ enthalten die „Schwedenhappen“ von Lysell mehr Zucker als Salz, nämlich rund sechs Gramm in einer 75-Gramm-Portion. (Quelle: „Öko-Test“)

 

Reichlich Zucker in Pizza, Currywurst und Buttermilch

Ein besonders pikantes Beispiel für versteckten Zucker ist eine in Plastik eingeschweißte Currywurst-Mahlzeit, mit der man sich die gesamte WHO-Tagesmenge an Zucker einverleibt. Die Soße hat es in sich, aber auch dem Fleisch ist Dextrose zugesetzt. Desweiteren staunten die Tester über sieben zuckersüße Zutaten in einer Pizza von Dr. Oetker. Immerhin: Der Hersteller habe die Rezeptur inzwischen geändert, teilt Öko-Test mit.

Weniger überraschend ist, dass eine Sorte Instant-Eiskaffee zu fast 90 Prozent aus Zucker besteht, und dass ein vorgeblich leichter Milch-Snack einem Stück Sahnetorte gleichkommt. Aber wer vermutet Zucker in Fischkonserven, Gurkensalat und in einer Pfeffer-Würzmischung für Steaks?

 

So verschleiern die Hersteller den Zuckergehalt

  1. Zuckerarten in der Zutatenliste aufteilen: Die Reihenfolge in der Zutatenliste richtet sich nach dem Mengenanteil. Wenn verschiedene Arten von Zucker enthalten sind, zum Beispiel Glukose oder Süßmolkenpulver, erscheinen sie weiter hinten. Den hohen Gesamtzuckergehalt verrät aber die Nährwerttabelle.
  2. Zucker als „natürliche Süße“ anpreisen: Das klingt gesund. Aber Fruchtzucker (Fruktose) oder Fruchtkonzentrate sind keineswegs gesünder als herkömmlicher Haushaltszucker.
  3. Zucker als Maltodextrin, Oligofructose oder Dextrose deklarieren: Die Bezeichnungen für verschiedene Zuckerarten sind nicht jedem Verbraucher geläufig. Merktipp von „Öko-Test“: Was auf „-ose“ endet, ist süß.
  4. Irreführende Hinweise wie „weniger Fett“: Das klingt wie „kalorienarm“. Aber was weniger Fett hat, enthält oft umso mehr Zucker, denn beide sind wesentliche Geschmacksträger. Auch ein Produkt, das als „weniger süß“ beworben wird, kann eine Zuckerbombe sein.
  5. Winzige Portionsgrößen: Um den Zucker-, Fett oder Salzgehalt pro Portion günstiger aussehen zu lassen, wird einfach auch die Portion kleiner bemessen. Die tatsächlich verzehrte Menge ist oft viel größer.

 

Zum Artikel: Öko Test deckt auf diese Lebensmittel enthalten zu viel versteckten Zucker