Nachgewiesen in allen Proben  

Deutsche Biere sind mit dem Unkrautvernichter Glyphosat belastet

Glyphosat in Bier - Diese einheimischen Marken sind belastet

In allen untersuchten Bieren wurde Glyphosat nachgewiesen. (Quelle: Samuel Schlagintweit)

Schlechte Nachrichten für Bierliebhaber. In mehreren deutschen Bieren wurden Rückstände des umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat nachgewiesen. Im extremsten Fall lag der Wert 300-fach über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser.

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Das Münchner Umweltinstitut untersuchte 14 der beliebtesten Biermarken. In allen Fällen wurden die Tester dabei fündig. Der höchste gemessene Wert wurde bei der Sorte Hasseröder Pils festgestellt, er lag bei 29,74 Mikrogramm pro Liter. Die geringste Konzentration wurde bei der Marke Augustiner Helles nachgewiesen, sie lag 0,46 Mikrogramm Glyphosat pro Liter.

Diese Werte wurden gemessen:

Glyphosat in Bier

Der Grenzwert für Trinkwasser wurde deutlich überschritten

Zum Vergleich: Der Grenzwert für Trinkwasser beläuft sich auf 0,1 Mikrogramm pro Liter, das heißt, selbst der niedrigste gemessene Wert liegt noch deutlich darüber. Für Bier gibt es aber keine Grenzwerte.

Bei krebserregenden Stoffen gibt es generell keine Untergrenze. Selbst geringste Mengen können gesundheitsschädigend wirken. Ihre Aufnahme sollte daher so weit wie möglich reduziert werden.

Entwarnung vom BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht keine Gefahr für die Gesundheit. Selbst die höchsten Werte von rund 30 Mikrogramm pro Liter seien so niedrig, dass die hieraus rechnerisch resultierende Aufnahmemenge bei einem Erwachsenen mehr als 1000-fach niedriger liegen würde als die derzeit als unbedenklich geltenden Aufnahmemengen, teilte das BfR mit. “Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1000 Liter Bier trinken.”

Bauernverband sieht mögliche Schuld in Importen

Es sei schwer festzustellen, aus welcher Quelle das gefundene Pestizid stamme, sagte ein Sprecher des Deutschen Bauernverband (DBV). Möglich sei, dass Spuren von Glyphosat durch den Import von Braugerste Eingang in die Produktionskette gefunden hätten. Nach Angaben des Bauernverbands werden in Deutschland jährlich rund eine Million Tonnen Braugerste angebaut. Eine ebenso große Menge wird importiert – hauptsächlich aus Frankreich, Dänemark und Großbritannien.

Nach Angaben des Bauernverbands sei der Einsatz bei der Vorerntebehandlung von Braugerste hierzulande verboten. Möglich sei jedoch, dass Bauern den Boden vor dem Einbringen des Saatguts mit glyphosathaltigen Mitteln behandeln, um diesen von Unkraut zu befreien. Glyphosat zersetze sich jedoch innerhalb von zwei bis drei Wochen im Boden. “Wenn das Pestizid beim Einsäen noch vorhanden wäre, würde nichts wachsen”, erklärte der Sprecher.

Umweltbundesamt: Belastung “nicht wünschenswert”

Marike Kolossa, Leiterin des Fachgebiets gesundheitsbezogene Umweltbeobachtung im Umweltbundesamt, sagte dazu, da nach wie vor zwischen Experten nicht abschließend geklärt sei, ob Glyphosat Krebs beim Menschen erregen könne, sei eine Belastung des Menschen “nicht wünschenswert”.

So wurde gemessen

Das Umweltinstitut hatte zunächst mit der sogenannten Elisa-Methode messen lassen, die zwar bei niedrigen Werten anspricht, aber nicht unumstritten ist. Die drei Biere mit Werten ab 20 Mikrogramm pro Liter waren mit der weniger sensiblen LC-MS/MS-Methode gegengecheckt worden, die Werte bestätigten sich. Mit der Elisa-Methode gemessene und dann mit der LC-MS/MS-Methode bestätigte höhere Werte können als nachgewiesen gewertet werden, sagte Kolossa. Sie berichtete auch, dass bei Studien mit Studenten in den vergangenen 15 Jahren die Belastung mit Glyphosat im Urin gestiegen sei.

Das Umweltinstitut München ist ein unabhängiger Verein, der nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl gegründet wurde und sich für gentechnikfreies Essen, für eine nachhaltige Energiewende, für den ökologischen Landbau und gegen Atomkraft einsetzt.

Glyphosat: ein umstrittener Wirkstoff

Glyphosat ist welt- und deutschlandweit einer der am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Unkrautvernichtungsmitteln und das am weitesten verbreitete Pflanzengift. Der Hersteller Monsanto verdient daran Milliarden.

In der Landwirtschaft und im Gartenbau wird Glyphosat vor der Aussaat zur Unkrautbekämpfung verwendet.

Bei gentechnisch veränderten Pflanzen, die gegen Glyphosat resistent sind, kann der Stoff auch nach der Aussaat eingesetzt werden. Solche Pflanzen werden ebenfalls von Monsanto produziert.

Getreide darf in Deutschland unter bestimmten Umständen auch vor der Ernte damit behandelt werden. Bundesweit wurden laut Umweltbundesamt im Jahr 2012 knapp 6000 Tonnen reine Wirkstoffmenge aufgebracht. Dabei werden Glyphosat oft noch Beistoffe beigemischt. Sie sollen das Eindringen in die Pflanze erleichtern. Diese Stoffe sind nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zum Teil giftiger als das Glyphosat selbst.

WHO hält Glyphosat für krebserregend

Über den Stoff wird immer wieder kontrovers diskutiert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Glyphosat 2015 als “wahrscheinlich krebserregend für Menschen” bewertet. Umweltschützer fordern seit Jahren ein Verbot.

Efsa hält Gefahr für unwahrscheinlich

DIE EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit Efsa stufte Glyphosat dagegen als “wahrscheinlich nicht krebserregend” ein.

Der Efsa-Bericht dient der EU-Kommission als Grundlage im Verfahren der Zulassung von Glyphosat, die in Europa in diesem Sommer ausläuft.

Zulassung von Glyphosat soll verlängert werden

Die EU-Kommission will die Zulassung von Glyphosat um 15 Jahre verlängern. Darauf wies der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Europaparlament, Martin Häusling, hin. Aus Kreisen der Kommission verlautete, die Entscheidung werde am 7. und 8. März in einem Ausschuss zusammen mit Experten und Vertretern der EU-Mitgliedstaaten fallen.

 

 

Hier die Datei zum Download: Glyphosat in Bier