Dr. med. Manfred Doepp

 

Wer wollte dies nicht: gesund bleiben oder werden? Es gibt eine ganze Reihe von Untersuchungen darüber, wie dies geschehen kann, wie der Lebensstil aussehen könnte, der dazu führt, gesünder und länger zu leben. Zwar ist die Effizienz solcher Ergebnisse in der Bevölkerung nicht allzu hoch, denn viele Menschen stemmen sich gegen Bemühungen, ihre Lebensweise abändern zu wollen. Als Beispiel kann man die Raucher anführen: sie lassen sich wenig beeindrucken von drohenden Sprüchen oder gar grausigen Bildern auf den Schachteln, die ihnen das Todesrisiko vor Augen führen sollen. Schließlich kennt jeder einen Menschen, der sehr alt wurde, obwohl er diesem oder auch anderen Lastern frönte.

Das Thema ist also differenzierter als erwünscht, und man kommt ihm mit Einzelfällen nicht bei, sondern benötigt Statistiken, die größere Gruppen beinhalten. Schauen wir uns solche einmal an, so können wir drei Prinzipien eines Verhaltens mit negativen Folgen unterscheiden:

  • Verhaltensweisen, mit denen man zu viel Schädliches zuführt,
  • Verhaltensweisen, mit denen man zu wenig Nützliches zuführt,
  • Verhaltensweisen, die anders sind, als es gesund wäre.

Beispiele für das Thema 1):

  1. Das schon erwähnte Rauchen mit mehr als 4 Zig./Tag
  2. Alkoholisches Trinken mit mehr als 1 L Bieräquivalent/Tag
  3. Süßes wie Zucker, Saures wie Orangen
  4. Industriell erzeugte Nahrung, Fast-Food, Junk-Food
  5. Mikrowelle, Nahrung mit Genmanipulation
  6. Alle chemischen Zusatzstoffe, alle mit Chemie produzierte Nahrung
  7. Gluten: Brot; Laktose, Kasein: Milch; Fruktose: Kernfrüchte
  8. Fluoride (Zahncremes), Aluminium (Deo`s)
  9. Oberflächen-Trinkwasser, kohlensäurehaltige Wässer
  10. Metalle, Fremdstoffe und tote Gewebe im Mund
  11. Unzureichend gewaschene Salate, Schimmel

Beispiele für das Thema 2):

  1. Zu wenig Gemüse, Früchte, Kräuter, Gewürze
  2. Zu wenig Bewegung
  3. Zuwenig frische, saubere Luft
  4. Zuwenig Natur und Kultur
  5. Zuwenig Ruhe und Muße

Beispiele für das Thema 3):

  1. Stress, insbesondere nicht-bejahter Disstress
  2. Leistungs-, Perfektions- und Termindruck
  3. Nervosität, Unruhe, Getrieben-sein
  4. Nicht-bejahen dessen, was ist
  5. Erwartungen; anhaftende, bindende Wünsche
  6. Fehlendes Realisieren des Lebensplans

Unter optimalen Bedingungen könnte der Mensch durchaus 120 Jahre alt werden, ohne dass er eine schwere Krankheit bekäme. Dass dem nur in Ausnahmefällen so ist, liegt daran, dass wir von den angeführten Fehlern einen großen Teil in den Alltag eingeführt haben. Die reale Lebenserwartung von über 80 Jahren (Frauen) bzw. unter 80 Jahren (Männer) ließe sich laut den Statistiken aber hoch rechnen auf 120 Jahre, wenn man den Gewinn an Jahren durch die angeführten positiven Verhaltensweisen bzw. das Weglassen der negativen Verhaltensweisen addieren würde. Also z.B. vier Jahre durch kein oder nur geringes Rauchen, vier Jahre durch tägliche Bewegung, usw.

Wer aber schafft das, ohne fanatisch zu werden und damit den gewünschten Effekt ins Gegenteil zu verkehren? Denn dies sei gesagt: Übertreibungen des an sich Guten wandeln dieses ins Negative. Nehmen wir den Vegetarismus: er verlängert das Leben um einige Jahre, sofern er tolerant und undogmatisch ausgeübt wird. Extrem betrieben in Form eines intoleranten Veganertums findet sich hingegen eine Lebensverkürzung. Es gilt generell, dass Übertreibungen zu Verkrampfungen führen, und dass diese eine der Hauptursachen für Krankheiten sind. Überwiegender Vegetarismus mit durchaus ab und zu tierischen Produkten bewirkt die höchste Lebenserwartung.

Damit kommen wir zum Thema der Leichtigkeit des Seins. Wenn man sehr alt gewordene Menschen untersucht und befragt, so stellt man in der Mehrzahl der Fälle fest, dass sie befähigt sind, das Leben so zu nehmen, wie es ist. Johannes Heesters z.B. hat lebenslang nicht gegen was auch immer gekämpft (wenngleich ihm sein Verhalten im 3. Reich später in Holland vorgehalten wurde), sondern er hat das Beste daraus gemacht, hat positiv gedacht und versucht, den Menschen aus seinen Talenten heraus Gutes zu geben.

Der deutsche Altkanzler H. Schmidt als intensiver Raucher müsste nach Auffassung von Kritikern schon gestorben sein, jedoch ist seine intellektuelle Potenz auch mit über 90 Jahren bewundernswert. Er schert sich keinen Deut um die Anti-Raucher-Kampagnen. Und dies könnte sein großer Vorteil sein: er hat kein schlechtes Gewissen und keine Schuldgefühle, er steht zu sich und ist authentisch: `was du tust, das tue ganz`, oder gar nicht. Sogenannte Laster als Risikofaktoren wirken offenbar kaum, wenn es sich um Genuss ohne Reue handelt.

Eine Berufsgruppe mit hoher Lebenserwartung sind Dirigenten. Sie erfüllen beispielhaft das Vermeiden der angeführten „zuwenig“-Punkte. Vor allem bewegen sie sich aktiv, beschäftigen sich mit hochschwingender Musik und kaum mit Negativem. Sie sind kreativ und erleben häufige Erfolgserlebnisse in ihrer Selbstverwirklichung.

Befragen wir einmal Skispringer, wie es dazu kommt, wenn sie ihre größten Weiten springen. Sie antworten, dass es nicht gelingt, wenn sie es wollen, wenn sie anfangen zu denken oder gar zu grübeln, sondern dann, wenn sie loslassen und es einfach und unverkrampft tun. Angeeignete oder natürliche Programmabläufe im Gehirn realisieren sich viel besser, wenn wir mit dem Verstand nicht interferieren, sondern sie frei ablaufen lassen. Das Denken in Kreiseln ist als Risikofaktor zu bezeichnen.

Nun soll nicht gesagt werden, dass ein Leben ganz ohne Denken und Verstand das Ideale sei. Entscheidend ist, ob die Gedanken anhaften, ob sie unterlegt sind mit negativen Gefühlen oder Affekten, wodurch wir sie nicht loslassen können. Solche Affekte sind Ärger (der auf den Magen schlägt), Wut und Zorn (machen die Galle krank), Kummer und Sorgen (belasten die Leber) oder Ängste (schädigen die Nieren). Diese loszulassen verlangt aktive Vergebungsarbeit, wie sie angeboten werden von Hooponopono, z.B. in Kombination mit EFT (Emotions Freedom Technique, siehe bei Youtube).

Das Vergeben-können als wichtigster Akt in der Psychohygiene kann wohl als größtes Geheimnis der Gesunden bezeichnet werden, wobei man sich vor allem selbst vergibt. Weitere Eigenschaften sind: das Zu-sich-stehen; Authentizität; das Annehmen des Lebens, wie es ist; das Nicht-ändern-wollen dessen, was nicht zu ändern ist; das Nicht-übernehmen von Schuldgefühlen; das Loslassen von Vorstellungen und Fixierungen.

Fragen wir uns, wo in den Kulturen der Menschheit solche Verhaltensweisen als vorbildlich gelten? Sie sind zweifellos nicht zu finden im sog. „Westen“, wo alles getan wird, die o.a. negativen Themen in die Realität umzusetzen. So, als habe es keine Religionsstifter gegeben, die uns schon vor 2.500 Jahren sagten, was es nicht wert ist zu verwirklichen bzw. anzustreben: Begierden; materieller Erfolg; Schätze, die die Motten fressen; Bindungen; Konkurrenzdenken; Ehrgeiz und Siegen-wollen; Ändern-wollen der Anderen; allgemein: die Dualität. Verlassen wir sie und wenden uns einem Leben in der Polarität zu, in der es gelassen, locker, tolerant und heiter zugeht. Das ist das wichtigste Geheimnis der Gesunden.

Zweifellos gehört auch das Leben in einer glücklichen Partnerschaft für die meisten Menschen zu einem erfüllten Leben, das dann mit einem Gesund-sein einhergeht. Es gibt auch hier gewisse Regeln, die man befolgen kann. Wenn Paare nicht mehr viel miteinander reden, ist das meist der Anfang vom Ende. Mangelnde Kommunikation ist sogar einer der häufigsten Trennungsgründe, sagt der Berliner Paarexperte Eric Hegmann (Quelle: t-online).

Der Kardinalfehler: Schweigen

Wortlosigkeit signalisiert dem Partner Desinteresse und schwächt das Wir-Gefühl. Erfolgreiche Paare dagegen machen es anders: “Sie entwickeln Rituale, die ihre Kommunikation anregen”, so Hegmann. Ein freundliches “wie war dein Tag?” gehöre automatisch dazu und sei wichtiger als kurze Notizen per Smartphone oder E-Mail.

Zu einer guten Kommunikation gehört nicht nur, immer einer Meinung zu sein. Im Gegenteil: “Zufriedene Paare haben eine Streitkultur entwickelt und wissen so zu kommunizieren, dass ihr Partner versteht, was in dem anderen vorgeht”, sagt Hegmann. Wichtig dabei sei vor allem, den Partner ausreden zu lassen und Kritik in einer der Situation gerechten Dosierung anbringen.

 

Probleme zerreden und nicht lösen

Obwohl ein reger Dialog das A und O einer lebendigen Beziehung ist, können zu viele Diskussionen auch kontraproduktiv sein. Denn Konfliktlösungen finden nicht über das Reden, sondern über Taten statt. “Stundenlanges Zerreden eines Problems macht es größer”, betont Hegmann. Ständige Kritik seitens derjenigen Person, von der man sich geliebt wünscht, führt außerdem zu Frust. Glückliche Paare wissen das. Sie vermeiden ein dauerhaft negatives Feedback. Sie verpacken Ihre Kritik in passende Worte und geben dem anderen dadurch ein gutes Gefühl. Außerdem versuchen beide, auf die Änderungswünsche schnell Taten folgen zu lassen.

 

Den anderen verändern wollen 

Auch wenn der Lebensweg ein gemeinsamer ist, bedeutet das noch lange nicht, dass beide Partner auch immer die gleichen Sichtweisen haben müssen. Ein klassischer Fehler vieler Paare besteht darin, den anderen verändern oder umerziehen zu wollen. Doch dem Glück steht dieser Anspruch im Wege. Das bestätigt auch die Infofact-Umfrage: Für 59 Prozent der Befragten bedeutet Liebesglück vor allem, den Partner so zu akzeptieren, wie er ist.

Hierzu gehört auch, den Ärger über Kleinigkeiten im Alltag wie beispielsweise Unordentlichkeit nicht hochkochen zu lassen. So halten es auch erfolgreiche Paare, weiß Hegmann: “Sie amüsieren sich über Kleinigkeiten und heben sich die Energie für die wichtigen Dinge auf.”

 

Liebe als Selbstverständlichkeit nehmen

Die Zuneigung des Partners wird im Laufe einer langjährigen Beziehung oft als selbstverständlich angesehen. Sie erhält keine Wertschätzung mehr, was auf Dauer zu Enttäuschung führt. Dabei sind Liebe und Loyalität ein echtes Geschenk. Glückliche Paare wissen das zu schätzen. Sie wissen, wie wichtig Lob, kleine Aufmerksamkeiten und ein Dankeschön im Alltag sind. “Gegenseitige Fürsorge geht wie von selbst, wenn sie gewürdigt und nicht nur respektiert wird”, sagt Hegmann. Für die Stabilität der Beziehung sei das ein wichtiger Kitt.


Verlust von Körperlichkeit

Körperliche Nähe ist ein wichtiges Element eines liebevollen Umgangs. Geht dieser dem Paar verloren, breiten sich schnell Unzufriedenheit und Frust aus. Paare, die in einer gut funktionierenden Beziehung leben, sieht man auch noch nach Jahren des Zusammenlebens kuscheln, Händchen halten und sich küssen. Dass mit den Jahren die Sex-Frequenz etwas nachlässt, sieht Hegmann nicht als tragisch an: “Die meisten Langzeitpaare beschreiben ihre Sexualität als intensiver und befriedigender, weil gegenseitiges Vertrauen das Fallenlassen erleichtert.”

 

Aufeinander glucken, Misstrauen und Eifersucht

Am Anfang einer Beziehung möchte man jede Minute mit dem Partner verbringen. Doch auf Dauer gesehen führt der Wunsch, alles mit dem anderen gemeinsam zu machen, in eine Sackgasse. Paare, die dauerhaft glücklich miteinander sind, bewahren sich daher ihre Individualität. Statt ständig aufeinander zu glucken, pflegt jeder auch eigene Freundschaften und geht eigenen Interessen nach. Das bereichert die Beziehung und macht einen interessanter für den Partner.

Auch Misstrauen und Eifersucht können belastend sein. “Stabile Partnerschaften benötigen Freiräume und eine unverletzbare Privatsphäre”, sagt Hegmann. Hierzu gehört auch: Das Stöbern im Smartphone des Partners ist tabu. Ebenso kontraproduktiv ist es, den Tagesablauf des Partners z.B. in sozialen Netzwerken wie Facebook zu verfolgen. Kontrolle wirkt – ebenso wie Eifersucht – zerstörend und macht krank.

 

 

Juni 14

Hier die PDF Datei zum Download: Die Geheimnisse der Gesunden – Doepp – Jun14 PDF