Statine verdoppeln das Diabetes-RiskioRund jeder Zehnte leidet unter chronischem Reflux. Viele behelfen sich mit Säureblockern (Protenenpumpenhemmern). Diese verringern die Produktion der Magensäure und lindern so effektiv die Beschwerden. Allerdings scheint ihre langfristige Einnahme mit erheblichen Risiken einherzugehen. Nun zeigt sich, dass sie möglicherweise sogar Demenz fördern.

Das legt zumindest eine Studie aus Bonn nahe: Demnach erkrankten Senioren, die im Rahmen einer Studie Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol und Pantoprazol über längere Zeit einnahmen, mit einer um 44 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit an Demenz als Probanden, die keine Säureblocker bekommen hatten.

Zu diesem Ergebnis kamen Britta Hänisch und ihr Team vom Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen innerhalb eines kurzen Beobachtungszeitraums von gerade mal 18 Monaten. Grundlage waren die Daten von fast 73.000 Senioren im Alter von mindestens 75 Jahren.

Ob tatsächlich die Medikamente oder ein unbekannter gemeinsamer Faktor die Demenzgefahr erhöhten, ist allerdings noch ungeklärt: „Die Vermeidung von Protonenpumpenhemmern kann die Entwicklung einer Demenz möglicherweise verhindern“, schlussfolgern die Autoren.

Die aktuelle Studie könne allerdings lediglich einen statistischen Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von Protonenpumpenhemmern und dem Demenzrisiko herstellen. Bei anderen Risiken von Protonenpumpenhemmern sind Ursache und Nebenwirkung besser zu belegen.

Riskante Protonenpumpenblockern

Im Magen herrscht normalerweise ein extrem saures Milieu. Die salzsäurehaltige Magensäure enthält unter anderem Verdauungsenzyme, die Proteine aufspalten. Doch schwappt sie in die Speiseröhre oder frisst sie sich in eine vorgeschädigte Magenwand, drohen ernsthafte Erkrankungen bis hin zu Krebs. Protonenpumpenhemmer schützen davor. Sie dämpfen die Aktivität der Belegzellen, die die Magensäure produzieren. Dadurch sinkt der Säurewert im Magen erheblich ab. Nachteil: Bestimmte Bestandteile der Nahrung werden nur unvollständig verdaut und können nicht mehr so gut aufgenommen werden. Es drohen Mangelerscheinungen.

Folgen sind beispielsweise ein Magnesium- und Vitamin B12-Mangel, der sich in Konzentrationsstörungen, Lähmungserscheinungen und Blutarmut äußern können. Normalerweise unterstützt der saure Magensaft die Aufnahme von Kalzium. Wird dieser Prozess gestört, treten eher Osteoporose und Knochenbrüche auf.

Darüber hinaus weisen Untersuchungen daraufhin, dass Protonenpumpenhemmer auch das Infarktrisiko und die Gefahr für Leber- und Nierenschäden erhöhen. Außerdem fördern sie das Auftreten für Darm- und Lungeninfektionen, da durch den geringeren pH-Wert weniger Bakterien im Nahrungsbrei abgetötet werden.

Unbekümmerte Verordnung

Umso bedenklicher ist, dass die Medikamente auch unbekümmert gegen Leiden verordnet werden, für die sie gar nicht vorgesehen sind – beispielsweise bei diffusen Oberbauchbeschwerden. Außerdem werden sie häufig in unnötig hoher Dosierung und zu lange verschrieben – statt nach und nach wieder abgesetzt zu werden. Da sie zudem von den Herstellern geschickt als „Magenschutz“ vermarktet werden und kurzfristig gut verträglich sind, sind sie bei den Patienten ausgesprochen beliebt.